#1 Nimmersang (Dorf) von Orga 10.07.2019 10:48

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Lage: am südwestlichen Rand des Elfenwaldes, unter Pfeilschuss

Das Dorf ist von Menschen bewohnt.
Durch die Nähe zum Elfenwald und der Ansicht der Dorfbewohner, man könne den Elfen nicht alles durchgehen lassen und ihnen den ganzen Wald überlassen, kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden Parteien. Meist enden diese Konflikte mit einer blutigen Niederlage auf Seiten der Menschen.

#2 RE: Nimmersang (Dorf) von Ella 21.01.2021 01:09

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voheriger Beitrag im Bereich: Mühlberg: Burg


4. Woche, Stormeet (9. Monat), 2004 n.d.E 2004

Eingewickelt in den kastanienbraunen Wintermantel, versuchte Evelies etwas Schlaf zu finden, doch schreckte sie im Sekundentakt auf. Sobald sie die Augen schloss erblickte sie den kranken Andrahil, der sich nach Berichten zufolge bereits hinter dem Dörfchen Nimmersang befand und somit schmerzlich weit von der Prinzessin entfernt war. Man hatte ihr mitgeteilt, dass es ihm soweit gut ginge, doch sprach Evelies dieser Aussage jegliche Wahrheit ab: Sie hatte Andrahil mit eigenen Augen gesehen; ihm konnte es nicht gut gehen. Jeder Gedanke an ihren Geliebten schmerzte. Würde er es durch die Nacht schaffen? Würde er es bis in den Norden schaffen? Und würde sie glücklich? Neben der physischen Erschöpfung, drängte sich eine psychische Müdigkeit auf, die Evelies so noch nicht kennengelernt hatte. All diese Sorgen und Ängste, die nicht für einen Augenblick ihren Kopf verließen, machten sie früher oder später noch verrückt.

Ein lauter Schrei, welcher nur wenige Sekunden anhielt, ließ die Prinzessin abermals aufschrecken und brachte ihr Herz abrupt zum Rasen. "Kutscher?", rief Evelies hoffend, sie bekäme eine beruhigende Antwort, doch wieherten plötzlich die Pferd, als hätte man ihnen die Peitsche zu sehr aufs Hinterteil geschlagen und galoppierten so schnell los, dass die Prinzessin in die Sitzbank gedrückt wurde. "Kutscher, halten sie an!", versuchte sie die lauten Geräusche der klapprigen Kutsche zu übertönen, während sich ihre Fingernägel vor Angst in das lederne Polster krallten. Anfeuerndes Geschrei und ohrenbetäubendes Peitschen gestellten sich der Geräuschkulisse hinzu; das alte Gefährt drohte bei der ansteigenden Geschwindigkeit unter ihr zu zerbrechen. Als dann erschreckender Weise eine lebloser Körper an Evelies vorbeiflog und mit dumpfen Geräusch auf dem Boden aufprallte, bemerkte das junge Fräulein, in welcher Lage es sich befand. Ohne überhaupt nachzudenken, welche Folgen es haben könnte, öffnete die Prinzessin die Tür der Kutsche, wartete auf den vermeintlich richtigen Moment und sprang samt Mantel aus dem entführten Gefährt.

#3 RE: Nimmersang (Dorf) von Finn 21.01.2021 11:51

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Belaén kommt von hier: Bereich: Elfenwald

4. Woche, Stormeet (9. Monat), 2004 n.d.E

Es war kurz vor dem Morgengrauen, als Belaén einige Gestalten bemerkte, die sich zwar nah, aber noch nicht nah genug, für einen Warnschuss, in der Nähe des Waldrandes herumtrieben. In der Nähe befand sich das Menschendorf Nimmersang, welches hin und wieder im Konflikt mit den Waldelfen stand, da die Bauern immer wieder versuchten, entweder ihre Schweine in den Wald zu treiben, damit sie sich dort an den seltene Pflanzen, Früchten und Pilzen fett fressen konnten, oder aber versuchten, selbst außerhalb des Winters, heimlich Holz aus dem Wald zu stehlen. Manchmal, wenn der Winter für die Menschen unnatürlich hart wurde, ließen sich die Waldelfen dazu herab, abgestorbene Äste vor dem Wald aufzuschichten, welche sich die Menschen dann nehmen durften, damit sie nicht erfroren. Diese Männer, die nun allerdings in der rasch heller werdenden Dämmerung herumschlichen, schienen weder auf das eine, noch auf das andere aus zu sein.
Belaén hörte, wie hinter ihm jemand federnd auf dem weichen Waldboden landete, doch er drehte sich nicht herum, sondern fixierte weiter die vier vermummten Gestalten.
„Hast du gesehen, woher sie kamen, Opália?“, fragte er die junge Elfe, die nun neben ihn trat leise.
„Sie kamen nicht aus Nimmersang, sondern aus dem Süden“, antwortete sie. Belaén runzelte die Stirn und schaute das schwarzhaarige Mädchen nun doch an.
„Aus Süden?“, hakte er nach und sie nickte bestätigend.
„Aus Süden kam vor wenigen Stunden auch eine Art Karavane der Menschen, sie zogen an Nimmersang vorbei nach Norden. Kurz darauf tauchten auch diese vier da auf.“ Opália deutete auf die Gestalten.
„Wo sind Nanir und Elédir?“, wollte Belaén wissen.
„Sie sind noch oben in den Bäumen und beobachten die Fremden von dort aus weiter mit gespannten Bögen.“ Belaén nickte zufrieden. „Geh und sag ihnen, dass sie einen Warnschuss abgeben sollen, sobald sich auch nur einer von denen unserem Wald auf weniger als dreißig Schritte nähert.“
„Verstanden.“ Opália verschwand so schnell wieder, wie sie gekommen war, während sich Belaén näher an das Geschehen heranschlich. Wie eine Katze duckte er sich, um im hohen Gras, welches an den Waldrand grenzte, zu verschwinden. Seine rechte Hand ruhte auf dem Griff des Langmessers, das in einer ledernen Scheide an seinem Gürtel hing. Sollten die Fremden wirklich näher kommen und dann den ersten, zweiten und dritten Warnschuss ignorieren, würden die drei Späher in den Bäumen ernst machen und ihnen in die Beine schießen. Anschließend würde Belaén vorstürmen und sie mit seiner Klinge töten. So verlangte es das Gesetz der Waldelfen, ein Gesetz, das Belaén trotz Verhandlungen im Rahmen des Friedensvertrages mit dem König, nicht hatte kippen können.
Angespannt hockte er da, bis die Sonne aufging und eine edle Kutsche in Sicht kam. Er hielt den Atem an, als sich die fremden Gestalten formierten.
'Sie hatten es also die ganze Zeit auf diese Kutsche abgesehen', stellte er fest und atmete erleichtert auf. Die Sache hier ging die Elfen also rein gar nichts an, trotzdem zog er sich nicht wieder in den Wald zurück, sondern beobachtete den gelegten Hinterhalt und den anschließenden Angriff auf den Kutscher. Diese fremden Männer waren keine Stümper, dass erkannte man an der Art und Weise wie schnell und präzise sie den Kutscher überwältigten. Zwei von ihnen blieben auf dem Kutschbock, wobei einer die Zügel der Pferde übernahm. Die beiden anderen blieben zurück und warteten offenbar darauf, dass die durchgehenden Pferde unter Kontrolle und zum Stehen gebracht wurden. Bevor es jedoch dazu kam, stürzte ein braunes Bündel aus der Kutsche, was für helle Aufregung unter den beiden Männern am Boden sorgte. Sofort stürmten sie mit gezückten Dolchen auf das Bündel zu, welches es irgendwie schaffte, sich aufzurappeln und auf den Wald zu zu stolpern. Belaén ahnte, dass diese Sache nicht gut für das Bündel, welches sich als junge Frau entpuppe, ausgehen würde, denn entweder wurde sie von den Spähern erschossen, oder von den Männern hinter ihr erdolcht. Belaén erhob sich aus dem Gras und hob langsam die Hand, um die Späher vorerst am Schießen zu hindern.
„Belaén, was soll das! Wir haben klare Befehle, wenn sich Menschen unserem Wald nähern“, rief ihm Elédir daraufhin zu.
„Ich weiß, und wenn es nötig wird, schießt auf die beiden Männer, nicht aber auf die fliehende Frau!“, rief Belaén zurück, ehe er anschließend auf die Ebene hinaus stürmte. Er handelte aus einem plötzlichen, intensiven Gefühl heraus. Einem Gefühl, das ihm unmissverständlich sagte, dass diese junge Frau auf keinen Fall sterben durfte. Er wusste, dass ihm seine drei Freunde am Waldrand Deckung geben würden, auch wenn sie nicht verstanden warum er tat, was er da gerade tat.
Die beiden Männer fluchten, als sie ihn bemerkten und versuchten schneller zu rennen, doch Belaén war es gewohnt viel und lange zu rennen, weshalb er die fliehende Frau knapp vor ihnen erreichte, sie packte und ohne viel Federlesen hinter sich schleuderte. Anschließend stellte er sich schützend vor die nun am Boden liegende und zog langsam das Langmesser aus der Scheide.
„Das hier gehört uns“, knurrte er feindselig und deutete hinter sich. „Es befindet sich keine dreißig Schritte von unserem Wald entfernt.“ Die beiden Männer blieben keuchend stehen und musterten ihn grimmig.
„Das glaubst auch nur du, elendes Spitzohr!“, knurrte der rechte von ihnen ebenso feindselig zurück. „Du bist allein und wir sind zu zweit, außerdem scheinst du ja noch nicht einmal ganz trocken hinter den Ohren zu sein, Bürschchen.“ Belaén hob die Augenbrauen und lachte.
„Ihr armen Narren scheint euch, wenn überhaupt, nicht besonders gut über uns und unsere Grenzen informiert zu haben, denn sonst wüsstet ihr, dass wir niemals allein sind.“
„Der blufft doch nur“, sagte der linke Mann nun und richtete den Blick auf die junge Frau am Boden. „Geh zurück in deinen verdammten Wald und kümmer dich um deine eigenen Angelegenheiten, Spitzohr. Das hier geht dich nichts an.“ Entschlossen trat er vor und wollte Belaén zur Seite schubsen, prallte dann jedoch wieder zurück, als plötzlich ein Pfeil vor seinen Füßen im Boden einschlug.
„Das war die erste Warnung“, erklärte Belaén ruhig. „Ihr habt die Grenze von dreißig Schritten überquert.“ Kurz flackerte Unsicherheit in den Augen der Männer auf, doch sie verschwand rasch wieder, als sie hörten, wie die Kutsche zurückkam. Belaén blieb weiterhin vollkommen ruhig, aber mit noch immer gezogenem Langmesser vor der jungen Frau, die entweder zu gelähmt vor Angst, oder zu klug war, um sich hinter ihm weg zu bewegen, stehen.
„Ha, gleich gerben wir dir das Fell, wirst schon sehen!“, triumphierte der rechte Mann, als die Kutsche heran war und die Männer nun wieder zu viert waren. Unglücklicherweise hatten die beiden Neuankömmlinge die Kutsche in den Bereich gelenkt, der es den Spähern in den Bäumen sofort erlaubte, noch einmal einen Warnschuss abzugeben.
„Das war der zweite“, kommentierte Belaén. „Sollten eure Gefährten nun auf die Idee kommen, von der Kutsche zu springen, folgt der dritte und letzte.“ Für einen Moment schien die Zeit um sie herum still zu stehen, dann sprangen die Männer von der Kutsche und stürzten sich zeitgleich mit den beiden anderen auf Belaén. Belaén blieb nach wie vor ungerührt und schützend vor der Frau stehen, während um ihn herum gellende Schreie erklangen, als drei der vier Männer von zielsicher abgeschossenen Pfeilen niedergestreckt wurden. Der vierte taumelte keuchend zurück, als Belaén das Langmesser leicht anhob und grinste.
„Wer auch immer euch geschickt hat, sagt ihm, dass eure Beute nun uns gehört und ihr mit eurem Leben spielt, solltet ihr noch einmal auf die Idee kommen, uns etwas wegnehmen zu wollen.“
Der Mann stammelte etwas unverständliches, drehte sich dann um und rannte davon, so schnell er konnte. Belaén schaute ihm kopfschüttelnd nach, steckte sein Langmesser wieder weg und drehte sich zu der jungen Frau um.
„Habt keine Angst, Euch wird kein Leid geschehen“, wandte er sich mit einem Lächeln an sie und reichte ihr die Hand, um ihr wieder auf die Beine zu helfen.

#4 RE: Nimmersang (Dorf) von Ella 21.01.2021 20:21

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4. Woche, Stormeet (9. Monat), 2004 n.d.E

„Habt keine Angst, Euch wird kein Leid geschehen“, drang eine beruhigende Stimme zu der Prinzessin durch, welche noch immer nicht begriff, was sich gerade abgespielt hatte. Der Sturz aus der Kutsche hatte ihr nicht nur Gewand zerrissen und zarte Haut zerkratzt, sondern auch ihrem Kopf ordentlich eins zugesetzt. Evelies konnte ihren eigenen Herzschlag in jeder Ader ihren Körpers spüren, worauf sie aufschluchzend nach Luft japste. Ihre Brust brannte, der Kopf pochte und die Knöchel knackten bei jeder Bewegung. Mit trüben Augen schaute sie zu dem jungen Mann hinauf, dessen Gesicht bereits in den ersten Strahlen des Sonnenaufgangs glänzte, und welcher ihr warm lächelnd seine Hand hinhielt. "Danke.", murmelte die Prinuessin noch immer etwas apathisch und lies sich auf die Füße ziehen. Trotz der Sterne, die der Flüchtigen nun um den Kopf tanzten, musterte sie den blonden Lebensretter, der kaum größer war als sie selbst. Mit seinem gar weißen Haar und den eindringlich grünleuchtenden Augen wirkte er fast schon wie Teil eines Deliriums: Vielleicht träumte sie auch nur von einer Rettung. Oder war sie tot? Fühlte sich so der Tod an? War das ein Engel vor ihr? Starkblinzelnd versuchte sie sich auf den vermeintlichen Engel zu fokussieren, welcher jedoch so undeutlich und gedämpft redete, dass sie kein Wort verstand. Als Evelies' Sicht erst verschwamm und dann begann sich zu drehen, versuchte sie sich an dem Engel festzuhalten. Allerdings wurde es abrupt schwarz vor ihren Augen, sodass sie daneben griff und dem jungen Burschen direkt in die Arme fiel.

#5 RE: Nimmersang (Dorf) von Finn 24.01.2021 10:05

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4. Woche, Stormeet (9. Monat), 2004 n.d.E


Belaén fing das junge Mädchen, denn nun, als er direkt vor ihr stand, erkannte er, dass sie noch keine richtige Frau war, geschwind auf, als sie zu taumeln und dann gegen ihn zu fallen begann.
Hinter sich hörte er, wie einer der jungen Späher aus dem Wald auf ihn zukam und an dem Rhythmus seiner Schritte, erkannte er, dass es Elédir war.
„Warum hast du dich da eingemischt, Belaén?“, fragte der junge Elf verwirrt, während er das scheinbar ohnmächtige Mädchen in Belaéns Armen musterte. Belaén zuckte mit den Schultern.
„Ich hatte so ein seltsam starkes Gefühl, dass dieses Mädchen noch einmal sehr wichtig für uns werden könnte, deshalb habe ich gehandelt, ohne lange darüber nachzudenken.“
„Und was willst du jetzt mit ihr machen? Du weißt, dass wir keine Menschen mit in unseren Wald nehmen dürfen, selbst in unser eigenes Gebiet nicht, so steht es in dem Vertrag, den du ausgehandelt hast.“ Belaén seufzte, denn Elédir hatte recht, trotzdem konnte er das Mädchen nicht einfach hier lassen. Er überlegte kurz und schaute zum Wald hin, der sich imposant im Licht der Morgensonne vor ihnen erhob.
„Weißt du, welche erwachsenen Späher im aktuellen Mondzyklus Wachdienst an unseren Grenzen haben?“ Elédir nickte.
„Ele'yas und Faolan Findahir, Daniréa Melawé, sowie Daerolan und Caeleron Finwé“, zählte Elédir die fünf Späher auf und auf Belaéns Gesicht erschien ein Lächeln. Alle fünf standen auf der Seite der jungen Elfen und würden einen Verstoß gegen den Vertrag nicht melden.
„Wir nehmen sie mit nach Faenweed“, beschloss er und nahm das Mädchen kurzerhand auf die Arme. Er war überrascht wie leicht sie war. „Und wir besorgen ihr etwas zu essen“, fügte er mit einem besorgten Blick hinzu. Elédir wollte etwas erwidern, schloss den dafür bereits geöffneten Mund jedoch wortlos wieder, als er den Ernst in Belaéns Blick sah. „Gehen wir, sie muss ins Warme und in ein weiches, trockenes Bett.“ Elédir schloss sich Belaén schweigend an, als dieser losging und das Menschenmädchen in den Wald trug.

Fortsetzung im Bereich: Faenweed

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