#1 Samhain „Isabella 3 lädt zum Landgang“, 29.-31.10.21 von Nscs Waldelfen 08.12.2021 12:32

avatar

Samhain

„Isabella 3 lädt zum Landgang“


29. bis 31. Tag des zehnten Monats im Jahre 2021 der dortigen Zeitrechnung

#2 RE: Samhain „Isabella 3 lädt zum Landgang“, 29.-31.10.21 von Nscs Waldelfen 08.12.2021 12:33

avatar

1. Tag (Freitag)


Ich denke, ich muss nicht mehr unbedingt weiter ausführen, dass die Reise mit dem Luftschiff immer noch nicht besonders angenehm für mich war. Immerhin durfte ich aber mitfahren. Um das zu erwirken, hat es mich einiges an Überzeugungskraft gekostet, denn Sir Auberon war aus irgendeinem Grund überhaupt nicht davon begeistert, dass ich gerade in diesem Zeitraum mit den Blutdursts verreisen wollte.
Am Ende hatte ich ihn aber doch überzeugt und durfte mir dann eine, gefühlt ewig dauernde, Rede anhören, was ich alles zu lassen hätte und, dass ich dieses Mal wirklich ganz aufmerksam und vorsichtig sein sollte, da der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten an diesen Tagen besonders dünn sei.
Oh, und er befahl mir, diesmal Saphir mitzunehmen. Letztes Mal muss er wohl ordentlich mit dem Kleinen zu tun gehabt haben, als ich ohne ihn fort war. Seitdem fehlen auch einige Dinge in der Villa.

Saphir hatte übrigens großen Spaß bei der Luftschiffreise und nötigte mich dazu, die ganze Zeit auf dem Deck, ganz vorn an der Reling mit ihm zu stehen, weil er unbedingt runter schauen wollte...

Als wir dann endlich am Ziel waren, stellte sich heraus, dass es eher dem Anwesen eines Bauerngeschlechts glich, als dem eines Adeligen. Wir waren da schon etwas verwirrt, weil wir ja davon ausgegangen sind, von einem Landgrafen eingeladen worden zu sein.
Noch verwirrter war ich dann aber, als plötzlich Meister Bachus in edlem Gewand dastand, keine Schürze, keine Flecken! Hätte er nicht seinen ranzigen Hut aufgehabt, hätte ich ihn kaum wiedererkannt.
Zu meiner Freude waren auch noch viele weitere bekannte Gesichter da. Darunter unter anderem Farliv mit seinem Schüler, Meister Weber und sogar Sethshir und Ashra. Außerdem, das war wie immer kaum zu überhören, reiste auch der Eisenzahnklan an, wobei es da irgendwie eine ziemliche Anspannung zwischen ihnen und meiner Gruppe gab, die ich nicht so recht verstanden habe.

Am späten Abend stellten sich uns dann auch die Gastgeber vor und räumten nun endgültig alle Zweifel aus. Es handelte sich nicht um einen Landgrafen, sondern um eine Piratenmannschaft! Gut, dass Sir Auberon das nicht vorher wusste, sonst hätte er mich niemals aus dem Haus gelassen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hat er große Vorurteile gegen Piraten.
Die Tatsache, dass sich unsere Piraten Gastgeber wirklich seltsam verhielten und irgendwann das Gerücht aufkam, sie waren wohl alle lebende Tote, hätte es wohl auch nicht besser gemacht. Ich beschloss auf jeden Fall, Sir Auberons Mahnungen, vorsichtig und aufmerksam zu sein, zu befolgen. Naja, zumindest, was das vorsichtig sein betraf, war ich folgsam. Über lange Zeit aufmerksam zu sein, ist nicht gerade meine Stärke.

Als wir dann später auf unser Abendessen warteten, stellte mir Aron, Farlivs Lehrling, seinen eigenen kleinen Drachen vor. Ich blieb höflich und respektvoll, aber ehrlich gesagt, finde ich, dass dieser kleine Drache ein ganz schön freches, unerzogenes Vieh ist.
Der Kleine wollte die ganze Zeit über mein Essen klauen, trotz mehrmaligem Tadel von mir. Da lobe ich mir doch wirklich Saphir, der weiß wenigstens, wie man sich zu benehmen hat und, dass man erst fragen muss, wenn man etwas haben möchte.

Im Laufe des Abendessens, welches diesmal übrigens durchaus genießbar war, trafen wir einen männlichen Kender. Ich glaube er hieß Fitje oder so ähnlich. Ich hätte nie gedacht, dass es davon noch mehr gibt! Er war genauso nett und fröhlich wie unsere Feli! Oh, hätte sie ihn doch nur auch sehen können, die beiden wären sicher ein schönes Paar gewesen.
Er hat uns auch ganz fröhlich gezeigt, was er so in seinem Säckchen mit sich herum trägt.
Bachus musste dann natürlich auch zeigen, was er so mit sich herumträgt. Dadurch kam dann eins zum anderen und die beiden begannen ein Würfelspiel zu spielen. Es ging dann darum, wer zuerst in den Wald gehen und nach einer tödlichen Gefahr suchen musste. Fitje musste übrigens gehen und hat sich auch noch drüber gefreut!

Während Fitje also in den Wald auszog, um seinen Tod zu suchen, ereignete sich vor der Taverne in der wir uns befanden, etwas merkwürdiges. Wir bemerkten es erst, als beißender, bestialisch stinkender Rauch in die Stube drang und uns den Atem nahm.
Offenbar hatte draußen jemand ein Ritual abgehalten und etwas heraufbeschworen, was nicht in dieser Welt gehörte. Ich konnte nicht viel erkennen, weil so viele Leute um den Kreis herumstanden und Cizz mich auch nicht näher ran lassen wollte. Was ich aber sehen konnte, war eine Gestalt auf zwei Beinen, die anstelle eines menschlichen Kopfes, den eines Widders hatte. Ich fand, das sah schon irgendwie süß aus, aber Cizz hat mir verboten, hinzugehen, um es zu streicheln. Mir ist ja dann auch wieder eingefallen, dass ich versprochen hatte, vorsichtig zu sein.
Der ganze Spuk war dann aber auch genauso schnell wieder vorbei, wie er begonnen hatte und es stellte sich heraus, dass es die Köchin der Piraten gewesen war, die das Wesen beschworen hatte. Warum sie das tat, blieb mir ein Rätsel.

Noch viel später am Abend, mir war inzwischen übrigens elendig kalt, standen wir draußen herum und haben darüber gerätselt, was eigentlich mit den Gastgebern nicht stimmt. Irgendwann kam dann jemand, ich weiß nicht mehr wer, weil ich mir zwischenzeitlich den wirklich schönen sternenklaren Nachthimmel angeschaut habe, auf die Idee, man könne ja Holzi, den baldigen 1. Maat der Schiffscrew bewusstlos schlagen und von Farliv analysieren lassen. Was soll ich sagen? Die Idee war kaum ausgesprochen, da wurde sie auch schon in die Tat umgesetzt und Tunix schlug den angelockten Holzi mitten vorm Eingang der Taverne mit der Kenderkeule nieder... Herzlichen Glückwunsch, sehr unauffällig das Ganze.
Dadurch musste es dann auch wirklich schnell gehen, bevor noch jemand bemerkte, was wir da getan hatten. Zum Glück ist Farliv einer der Magier, der nicht lange herum brabbelt, wenn es darum geht etwas schnell erledigen zu müssen. Er hat Holzi also analysiert und herausgefunden, dass Holzi längst tot war, aber aus irgendeinem Grund noch wie ein Lebendiger herumlaufen konnte.
Natürlich kam es dann auch so, dass jemand kam und gesehen hat, dass Holzi am Boden lag. Irgendwer hat dann behauptet, dass ein Kender ihn niedergeschlagen hätte, was ja irgendwie auch stimmt, wenn man weiß, wie Tunix Kenderkeule entstanden ist.
Zum Glück sind wir damit durchgekommen!

Noch viel später am Abend, lernte ich weitere Piraten kennen, die eigentlich so ganz nett wirkten, aber man weiß ja nie, was die wirklich im Schilde führen. Auch den Ork vom Eisenzahnklan habe ich wieder gesehen, allerdings ignorierte er mich diesmal völlig. Keine Ahnung, was mit ihm nicht stimmt.
Bachus hatte sich übrigens auch wieder in eine ungünstige Situation manövriert, nur hab ich keinen blassen Schimmer wie er das geschafft hat. Auf jeden Fall hat er es geschafft, dass man ihm ins Knie schießen wollte, um zu schauen, ob er noch lebt oder auch zu den Untoten gehörte. Fitje hat ihn sogar abgeleckt um zu beweisen, dass Bachus rote Wangen nicht nur aufgemalt waren... Da darf man gar nicht länger drüber nachdenken, wer weiß, was Fitje jetzt alles für Krankheiten hat.
Sethshir fand es scheinbar auch lustig, dass auf Bachus geschossen werden sollte und hat angeboten, dass er ihn auch etwas höher anschießen könnte, so zwischen den Beinen...
Er hätte dafür sogar 3 Goldstücke an Bachus gezahlt, wenn er hätte schießen dürfen. Bachus war aber leider, ähm, ich meine natürlich zum Glück, dagegen.

Irgendwann, es war sicher schon weit nach Mitternacht, sind wir in unser Lager zurückgekehrt und haben eine abschließende Besprechung abgehalten, in der es darum ging, was mit der Crew der Isabella 3 los ist und, dass die offenbar alle untot zu sein schienen. So ganz genau hab ich das nicht mitverfolgt, ich war einfach viel zu müde.

#3 RE: Samhain „Isabella 3 lädt zum Landgang“, 29.-31.10.21 von Nscs Waldelfen 31.01.2022 16:07

avatar

2. Tag (Samstag)


Was soll ich sagen, der nächste Morgen begann mit einem Frühstück, welches so gar nicht mein Fall war... Haferschleim, wer bitte isst denn so etwas?
Glücklicherweise hatte Sir Auberon dieses Mal drauf bestanden, dass ich Essen von Zuhause einpacken sollte.
Während wir so frühstückten, drang die Nachricht zu uns vor, jemandem wäre in den Kopf geschossen worden. Warum das passierte? Keine Ahnung. Nach der vergangenen Nacht wunderte mich aber auch wirklich nicht mehr viel.
Auf jeden Fall lebte der Erschossene wieder, denn er selbst erzählte, man hätte ihm in den Kopf geschossen. Das war alles sehr merkwürdig und schnell kamen die unterschiedlichsten Theorien auf.
Zum Beispiel die, dass wohl jeder drei Seelensplitter hat und eine Frau mit Sense kommt, wenn man stirbt. Angeblich kommt man anschließend wieder zurück ins Leben, hat dann aber einen Seelensplitter weniger. Ich wollte gar nicht drüber nachdenken, was passieren würde, wenn diese Theorie stimmte und man alle drei Seelensplitter aufgebraucht hätte.

Meine Gefährten diskutierten ebenfalls über diese Theorie und irgendwie kam dann die Idee auf, man könne ja Meister Bachus experimentell opfern, um herauszufinden, was passiert. Der Plan war, dass er dann alles aufschreiben sollte, was er sieht. Seltsamerweise war Meister Bachus irgendwie erst gar nicht so angetan davon, geopfert zu werden und hat sich etwas geziert.
Demzufolge kamen wir erst einmal nicht weiter mit unserem Plan.

Im Laufe des Vormittags kam schließlich Aron zu mir und meinte, er würde gern einen Schutzzauber auf mich wirken, nur zu Sicherheit. Die Idee dafür kam wohl von Cizz.
In Anbetracht der Tatsache, dass Farliv Arons Meister ist, hatte ich doch etwas Bedenken, was die Zauberei des Schülers betrifft. Farliv meinte aber, dass normalerweise nichts schief gehen kann. Immer, wenn Farliv „normalerweise“ oder „eigentlich“ sagt, kann alles mögliche schief gehen, das habe ich mittlerweile verinnerlicht.
Trotzdem gab ich Aron eine Chance und ließ ihn den Schutzzauber wirken. Überraschenderweise konnte der Kleine das gut und ohne irgendwelche seltsamen Nebenwirkungen.
Während ich mich also von Aron mit einem Schutz versehen ließ, kuschelte Saphir mit Ashra, die zu Besuch in unser Lager gekommen war. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sie so gern hat, weil sie so viele glitzernde Dinge bei sich hat.

Saphir und der Drache von Aron, ich weiß nicht genau ob der einen Namen hat und wenn ja, hab ich ihn wieder vergessen, spielten so süß zusammen, nachdem Ashra wieder gegangen war. Bevor Saphir allerdings bereit war, mit Arons Drachen zu spielen, erklärte er ihm erst einmal, wie man sich ordentlich benimmt und, dass man Ärger bekommen kann, wenn man zu frech wird.
Obwohl Saphir erst ganz frisch geschlüpft war, als wir im Sommer auf Meister Ginkelbach trafen, hat er wohl doch mitbekommen und begreifen können, was der Magier über die Haltung von Drachen in Kerkern erzählt hat.
Einmal mehr erweckte Aron im Laufe des Tages bei mir den Anschein, dass er recht nachlässig mit der Erziehung seines Drachen zu sein scheint, denn er vergisst ihn ganz schön oft irgendwo oder überlässt ihn sich selbst. Das führte schließlich dazu, dass sich der Kleine an Saphir hielt und sich die beiden eine ganze Weile lang Saphirs Tragekorb teilten.

Die Sache mit der experimentellen Opferung war auch gegen Mittag noch nicht vom Tisch.
Bachus verkroch sich in der Taverne. Das tut er irgendwie recht häufig und ausgiebig, sobald es irgendwo eine Taverne gibt. Ob das bei Piraten normal ist?
Nicht normal war allerdings, dass er irgendwann wieder auftauchte und sich kratzte wie ein Verrückter. Laut eigener Aussage, hatte er sich bis dahin sogar schon mehrmals gewaschen, ohne, dass es an dem Juckreiz, der ihn befallen hatte, etwas geändert hatte.
Aus Sicherheitsgründen, denn wer wusste schon so ganz genau, ob es ansteckend war, hielten wir großzügig Abstand von ihm und brachten ihn zurück in unser Lager, um nach einem Weg zu suchen, ihm zu helfen.
Lustigerweise übernahm Sethshir die Hilfe. Ich glaube ja mittlerweile, dass es ihm irgendwie Spaß macht, Bachus zu quälen, denn die Heilung lief alles andere als schmerzlos für unseren Smutje ab.
Es stellte sich übrigens heraus, dass Bachus zu nah an die Behausung einer Nörgelfee gekommen war und diese ihn wohl deswegen verflucht hatte. Die Behausung befand sich am Tresen der Taverne, also kein Wunder, dass ihm das irgendwann passieren musste.

Während sich Bachus also vor Schmerzen schreiend vor Sethshir am Boden krümmte, bereitete Farliv keine sechs Schritte davon entfernt, in aller Ruhe ein Ritual für Pranke und Cizz vor, welches sich die beiden gewünscht hatten. Es ging dabei darum, zwei permanente Artefakte zu erschaffen, welche es Cizz und Pranke erlauben würden, einmal am Tag miteinander zu sprechen, ganz egal wo sich der jeweils andere gerade befindet.
Beunruhigt hat mich die Tatsache, dass Farliv schon wieder ein Buch hervorholte, welches eventuell, ganz vielleicht, den ein oder anderen Fehler beinhaltete.
Wichtig war, so erklärte Farliv, dass wir während des Rituals alle still sein sollten, denn andernfalls würden Pranke und Cizz bei jeder Kommunikation durch die Artefakte, auch das Hintergrundgebrabbel von uns hören.
Aron half Farliv natürlich bei dem Ritual und erstaunlicherweise ging alles gut, keiner wurde von irgendwas besessen, niemand ging in Flammen auf und nichts explodierte. Allerdings hat Aron zu früh wieder angefangen zu sprechen, was zum Resultat führte, dass Cizz und Pranke nun jedes Mal, wenn sie über die Artefakte, zwei wunderschöne Armreife übrigens, miteinander kommunizieren, am Ende den Satz:
„Es muss aber kein Gift sein“ hören werden.

Im Laufe des Tages starben noch weitere Menschen und kehrten mit seltsamen Wesensveränderungen wieder zurück. Traurigerweise erwischte es auch den Kender und er verlor seine Fröhlichkeit! Man stelle sich das einmal vor, ein Kender ohne fröhliche Emotionen! Dieser Anblick hat vor allem Cizz sehr getroffen. Ich hatte sie vorher noch nie so traurig und betroffen gesehen.
Es war also klar, dass wir etwas unternehmen mussten, die Frage war nur was?
Die ganze Situation hat mich so überfordert, dass ich nur noch bruchstückhaft wiedergeben kann, was sich zugetragen hatte und wie es zu einzelnen Ergebnissen kam.

Zum Beispiel hab ich keine Ahnung mehr, wie es dazu kam, dass ich plötzlich mit einem Schlangenwesen an einem Tisch saß und dabei zuschaute, wie Aron eine fremde Schrift zu entziffern lernte. Ich weiß aber noch, dass er das tat, um einen Zettel zu übersetzen, der irgendwie in Farlivs Hände gekommen war. Wo der her kam, weiß ich aber nicht.
Erst später erfuhr ich, dass es sich um ein alchemistisches Rezept für einen Trank handelte, welcher wohl den seltsamen Zustand der Gastgeber Piratencrew heilen könnte, aber dazu später mehr.

Das Schlangenwesen faszinierte mich und auch Saphir sehr. Wir hatten beide zuvor noch nie jemanden wie ihn gesehen. Während wir also so mit ihm am Tisch saßen und Aron die Schrift entzifferte und übersetzte, versuchte ich das Schlangenwesen besser kennen zu lernen. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich ihn ein wenig mit Saphirs Spielzeug, einem Schilfhalm mit so einem lustigen Puschel oben dran, geärgert habe. Ich wollte herausfinden, ob das Schlangenwesen kitzelig ist. Das Ergebnis: Ja, es war trotz der Schuppen kitzelig, genau wie Saphir, wenn man die richtigen Stellen erwischt.
Irgendwann wurde es dem Schlangenwesen allerdings zu viel und er drohte mir, mich zu beißen, sollte ich nicht aufhören, ihn zu ärgern. Aufgrund der Größe seiner spitzen Zähne, entschied ich mich dann dafür, ihn lieber in Ruhe zu lassen.

Nachdem das Rezept in unsere Sprache übersetzt war, kehrten wir ins Lager zurück und Farliv bereitete alles für das Brauen des Trankes vor, während andere die Zutaten zusammentrugen, die benötigt wurden.
Mir wurde ein Haar ausgerissen, weil für den Trank ein Elfenhaar gebraucht wurde...
Etwas später, als es an das Brauen des Trankes ging, musste ich Farliv noch einmal eins geben, weil er das erste angeblich verloren hatte. Wer's glaubt...
Ich durfte übrigens beim Erstellen des Trankes helfen und habe gelernt, was es bedeutet, wenn Farliv im Zuge des Prozesses von Alkohol Verdampfen spricht. Auch dabei durfte ich helfen. Am Ende war der Trank fertig und wurde zuerst an Holzi ausprobiert, mit Erfolg!
Was danach geschah, kann ich nicht mehr genau rekonstruieren, deshalb lasse ich es lieber.

Wieder zurück im Lager kam die Sache mit den Seelensplittern wohl noch einmal auf, so genau habe ich das nicht mitbekommen, weil ich gerade Saphir ins Zelt gebracht hatte, damit er in Ruhe schlafen konnte. Auch Drachenbabys sind Babys die viel Schlaf brauchen, zumal er vorher von Sethshir mit vielen Energiesteinen gefüttert worden ist.
Die leeren Steine liegen auch immer noch in Saphirs Körbchen, weil die so schön glänzen und er sie nicht wieder hergeben will.
Aber zurück zum Thema, zumindest zu dem, was ich dazu sagen kann.
Farliv und Aron haben ein seltsames Ritual vollzogen, bei dem es ums sterben ging. Da Meister Bachus zu lange gezögert hatte, nahm Farliv also Aron mit, um nachzuschauen, was denn eigentlich passiert, wenn man stirbt. Offenbar wollte er wohl diese Seelensplittersache überprüfen, oder so. Man weiß nie so genau, was in Farlivs Kopf vorgeht und, ehrlich gesagt, will ich das oft auch lieber gar nicht wissen.
Auf jeden Fall war ich zu dem Zeitpunkt in meinem Zelt und habe irgendwann Tumult und lautes Geschrei, unter anderem von Farliv, gehört. Was ja nur bedeuten konnte, dass etwas schief gelaufen sein musste. Ich hab kurz gezögert und bin erst dann aus dem Zelt getreten, als es wieder ruhig war. Zu sehen bekam ich dann letztendlich einen halb toten Farliv und einen nicht minder beschädigten Aron, die auf dem Boden lagen. Wie unerwartet....
Zum Glück konnte den beiden aber geholfen werden. Nur gut, dass die so unglaublich robust sind. Leider habe ich vergessen, was am Ende bei dem Selbstversuch herausgekommen ist. Ich muss mir wirklich angewöhnen, mir sofort Notizen zu machen und nicht erst Tage später.

Kurz vor Sonnenuntergang trafen Pranke, Cizz, Tunix und ich eine junge Falknerin mit einem wirklich niedlichen Falken, namens Medea. Ich war sofort verliebt in das Tier, es hat so niedliche Geräusche gemacht! Das Beste aber war, dass ich Medea einmal auf dem Arm halten durfte. Das war wirklich ein schöner Moment in meinem Leben. Ich war aber auch ganz froh, dass Saphir in dem Moment nicht bei mir war, denn er wäre sicherlich eifersüchtig geworden.

Als es bereits Dunkel war, kehrten wir zum Essen in die Taverne ein. Diesmal war es wirklich voll und die Stimmung war, trotz der merkwürdigen Geschehnisse ausgelassen und fröhlich. Menschen vergessen wohl ziemlich schnell oder können Dinge wirklich gut verdrängen. Möglicherweise könnte es aber auch an den großen Mengen an Alkohol liegen, die sie so gerne trinken.
Wie dem auch sei, das essen war gut, die Unterhaltung ebenfalls und unmittelbare Gefahr schien auch nicht zu drohen. Die beiden anderen Elfen, die außer mir noch anwesend waren, schienen auch nicht übermäßig besorgt zu sein, also beschloss ich, mir auch keine Sorgen zu machen, solange die beiden noch so ruhig in ihrer Ecke saßen.

Im Laufe des Abends wurde auch immer mal wieder gesungen, unter anderem ein Lied über Meister Weber, welches mich ein bisschen verwirrt hat, denn in diesem hieß es, er sei ein Kartoffelbauer und Waldläufer. Ich dachte immer, er wäre ein Großmagier. Na ja, so hat wohl jeder mal klein angefangen. Ich selbst bin schließlich auch nicht mehr der, der ich früher einmal war, was auch ganz gut so ist. Irgendwann werde ich in den Elfenwald zurückkehren, nur um meinem Vater zu zeigen, dass ich doch nicht so wertlos bin, wie alle dort denken. Dann werden sie sehen, dass sie sich in mir geirrt haben, auch wenn ich wohl nicht auf eine Entschuldigung oder gar eine Aufhebung der Verbannung hoffen darf.
Ich schweife schon wieder ab...

Nachdem die Bardin fertig war, mit ihren Liedern, stand plötzlich Meister Weber auf, wirkte einen... wie hieß das noch gleich? Firledings...Firlefranz... nein... Firlefanz, ja, das wars, einen Firlefanz Zauber und begann dann zu singen. Er hat wirklich gut gesungen und die Lieder waren toll, aber ich frage mich, ob er es ohne den Zauber auch gekonnt hätte. Bei Magiern kann man nie wissen, ob sie nun etwas wirklich können, oder einem nur vorgaukeln, dass sie es können. Sei es, wie es sei, ich habe mich an der Musik erfreut und das ist ja am Ende das, was zählt.

Noch sehr, sehr viel später an diesem Abend, beschloss Meister Weber schließlich, dass es an der Zeit wäre, einen Ritualkreis zu ziehen, um das Böse, welches diesen Ort offenbar fest im Griff hatte, zu rufen.
Ich habe dabei gelernt, dass er ziemlich genau darauf achtet, dass der gezogene Kreis auch wirklich eine exakt runde Form hat und ohne Lücken ist, ganz anders als Farliv, der es mit der Rundheit seiner Kreise oft nicht ganz so genau nimmt.
Ehrlich gesagt, ist mir da Meister Webers Technik deutlich lieber, schließlich hab ich bei ihm noch nicht erlebt, dass etwas schief gegangen wäre. Trotzdem finde ich Meister Webers Lehrmethoden unglaublich langweilig und kompliziert. In dem Punkt ist Farliv deutlich interessanter. Trockene Theorie lag mir eben noch nie, denn ich kann mir Dinge erst merken, wenn ich sie in der Praxis lernen kann.

So, nachdem Meister Weber seinen perfekten Kreis gezogen hatte, geschah erst mal wieder rein gar nichts, da sich alle erst einmal auf das, was da vielleicht kommen würde, vorbereiten mussten. Jeder bekam einen Platz zugewiesen. Ich sollte nah bei Cizz und den Heilern bleiben, was mir nur recht war, schließlich bin ich als Kämpfer ziemlich untauglich.
Als es dann plötzlich los ging, brach das totale Chaos aus, zumindest sah es in meinen Augen so aus. Viele wurden beim Kampf des herbeigerufenen Widderkopfwesens verletzt... so viele, dass die Heiler kaum nachkamen.
Cizz hat mich wirklich beeindruckt und meinen tiefsten Respekt, denn obwohl es eine offensichtliche Fehde zwischen den Blutdursts und dem Eisenzahnklan zu geben scheint, hat sie einen von ihnen ohne zu zögern geheilt. Es war der, der mir im Sommer erklärt hat, worauf es bei der Jagd ankommt. Ich bin auch immer noch fest davon überzeugt, dass er ein gutes Herz hat. Leider vergesse ich immer wieder seinen Namen.

Ich selbst habe mich zum Zeitpunkt des Kampfgeschehens so unglaublich nutzlos gefühlt... ich hätte so gerne irgendwie geholfen, doch wie soll man helfen, wenn man nichts kann?
Ich muss endlich irgendetwas lernen, womit ich nützlich sein kann! Ich habe es so satt, nutzlos irgendwo am Rand zu stehen, während vor meinen Augen Freunde und Bekannte kämpfen und verletzt werden. Ich will nicht irgendwann zusehen müssen, wie einer meiner Freunde vor meinen Augen stirbt, weil ich nichts kann.

Am Ende war der Kampf dann aber doch viel schneller vorbei, als es sich angefühlt hat. Das Widderkopfwesen war besiegt, die Gastgebercrew wieder frei und der Kender wieder ganz der Kender, wobei der glaube ich vorher schon wieder er selbst war. Ich habe da so komische Geschichten gehört, dass er sich seine Seelensplitter irgendwie panisch wieder zurückgeholt hätte. Möglicherweise wissen die anderen mehr darüber.
Wichtig ist aber für mich nur, dass Fitje Fietjeson wieder ganz er selbst ist!
Was für ein schönes Ende.

Xobor Ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz