#1 Sommerlager zu Werbellin, "Lager der Weltenwanderer" 27.7.-31.7.21 von Nscs Waldelfen 03.08.2021 12:18

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Tagebuch eines Wanderers
von Lyrian Aendéthil


Sommerlager zu Werbellin, "Lager der Weltenwanderer"
27. bis 31. Tag des siebten Monats im Jahre 2021 der dortigen Zeitenrechnung



1. Tag (Dienstag)



Das Lager erwachte nur langsam, eine schläfrige Ruhe lag über allem und doch tauchten nach und nach so manch fremde Menschen und andere Wesen auf, um sich in der neuen Umgebung umzuschauen.

Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als etwas die Aufmerksamkeit einiger Lagerer auf sich lenkte. Im Gras, mitten auf einer freien Fläche, lag ein blaues Objekt, einem großen Ei sehr ähnlich. Ich, Lyrian Aendéthil, sah es ebenfalls, doch wagte ich mich nicht hinzugehen. Erst, als sich auch andere von dem Objekt angezogen fühlten, gab ich meiner unbändigen Neugier nach und folgte ihnen.

Das Objekt sah tatsächlich aus, wie ein großes blaues Ei. Um mich herum standen eine Handvoll Menschen, die, so wie ich heraushören konnte, wohl zu einer Art Magier Akademie gehörten und über den Ursprung und die Herkunft des Eis rätselten. Ich verstand nicht so genau, was sie besprachen, denn das Ei lenkte mich immer wieder ab. Es war so hübsch, wie es dort funkelnd in der Sonne lag! Schließlich konnte ich nicht mehr anders, ich musste es unbedingt anfassen und letztendlich hochnehmen.
Sofort darauf überfiel mich eine unendliche Traurigkeit und ich konnte mich nicht mehr von der Stelle bewegen. Einzig ablegen, konnte ich das Ei noch und erst in dem Moment, in dem es den Boden wieder berührte, konnte ich mich wieder frei bewegen. Die Traurigkeit blieb jedoch und ich zog mich zurück, setzte mich nieder ins Gras und starrte vor mich hin. Nichts hat mich je so traurig gemacht, wie die Berührung dieses Eis.

Meine Gefährten haben versucht, mich aufzumuntern, doch nichts davon trug wirklich Früchte. Erst, als ein fremder, großer und gänzlich in schwarz gekleideter Elf an mich herantrat und mir seine Hilfe anbot, wurde es wieder besser. Ich weiß nicht genau, was er mit mir getan hat, nur, dass es irgendetwas mit Magie zu tun hatte. Als er damit fertig war, war die Traurigkeit aus meinem Herzen gewichen.
Das Ei ließen wir vorerst im Gras zurück. Andere, hauptsächlich aus des dem Lager der Magier, befassten sich hin und wieder mit dem Ei, doch ich hatte genug davon für den Moment.

Ich erinnere mich nur noch dunkel daran, dass jemand, ich weiß nicht mehr wer, eine Nachricht erhalten hatte, dass es sich tatsächlich um das Ei eines Drachen handelte, welches dort allein im Gras lag, und, dass es nur von jemandem gehoben und getragen werden konnte, der dafür eine spezielle Segnung oder Weihe erhielt. Bitte verzeiht, wenn ich den genauen Begriff nicht mehr weiß, denn für mich ist das eine, wie das andere und ich habe den Unterschied bis heute nicht wirklich begriffen.

Auch im Lager der Blutdursts, dem ich angehöre, wurde über diese Nachricht beratschlagt. Ich hörte so aufmerksam zu, wie ich konnte und, als es darum ging, jemanden zu finden, der bereit wäre, diese Weihe oder Segnung, was weiß denn ich, auf sich zu nehmen, meldete ich mich aus einem Impuls heraus freiwillig, ohne zu ahnen, welch enorme Verantwortung das für mich bedeutete. In unserem Lager befand sich zu dieser Zeit ein Wanderpriester, zumindest nannte ich ihn immer so, denn was er genau war, konnte ich mir nie merken. Er genoss recht schnell mein Vertrauen und führte schließlich ein Ritual, welches zehn Zeugen bedurfte, an mir durch, um mich zum Träger des Dracheneis zu machen. Empörend fand ich daran, dass er es nicht lassen konnte, währenddessen mein Haar durcheinanderzubringen, aber auch, dass ich erst im Nachhinein von ihm erfuhr, dass er sich bis zum Ende nicht sicher war, ob er Erfolg mit dieser Weihe haben würde. Ich möchte gar nicht wirklich darüber nachdenken, was alles hätte passieren können, hätte er einen Fehler gemacht.
Nun, glücklicherweise machte er keinen Fehler und ich konnte das Ei berühren, ohne erneut von Traurigkeit überwältigt zu werden. Überraschenderweise war es plötzlich so, dass ich mich auch mit den Ei in den Händen bewegen konnte, wenn auch nicht sehr schnell.

Ich brachte das Ei in unser Lager. Ich erfuhr, dass darin Leben war, dieses jedoch nur sehr schwach. Von wem das Wissen kam, kann ich nicht mehr sagen, denn für mich waren dies alles mehr Eindrücke, als ich verarbeiten konnte.
Unsere Schamanin Feanor errichtete einen Altar, ich weiß nicht mehr, ob sie es wirklich so nannte. Auf jeden Fall konnte der irgendwie, mit Hilfe von hübschen bunten Steinen, Energie aus der Natur ziehen. Sie bat mich darum, das Ei dort hinauf zu legen, damit es sich von dieser Energie ernähren konnte. Ich habe nicht den blassesten Schimmer davon, wie so etwas funktioniert und ich war auch zu müde, um danach zu fragen oder, wenn ich gefragt habe, es mir länger als wenige Augenblicke zu merken.

Besonders viel Zeit, um mich zu erholen und die Dinge zu verarbeiten, hatte ich nicht, denn
das ich nun der Eierträger, wie ich fortan genannt wurde, war, blieb natürlich auch den Magiern nicht verborgen und ich genoss mehr Aufmerksamkeit von ihnen, als mir lieb war. Einer von ihnen, er nannte sich Meister Weber und war offenbar eines der Oberhäupter der Akademie, kam etwas später in unser Lager und bat darum, mich analysieren zu dürfen. Hilflos warf ich Pranke Blutdurst einen Blick zu, denn Magier, die etwas derartiges an mir machen wollen, ängstigen mich.
Wie sehr ich mich in diesem Moment nach Cizz Blutdurst gesehnt habe, denn anders als sie, wirkte Pranke auf mich etwas unentschlossen. Letztendlich signalisierte er mir, dass es wohl in Ordnung wäre, mich von diesem Magier analysieren zu lassen, also tat ich es.
Es war unangenehm und ängstigte mich, doch der Prozess tat nicht weh und fügte mir auch keinen Schaden zu, zumindest spürte ich keinerlei Veränderung in mir.
Am Ende zog sich Meister Weber wieder zurück und ich hatte endlich ein paar Stunden Ruhe, sodass ich auch meine Lagergefährten etwas besser kennen lernen konnte. Hierüber schweige ich mich allerdings lieber aus.

#2 RE: Sommerlager zu Werbellin, "Lager der Weltenwanderer" 27.7.-31.7.21 von Nscs Waldelfen 06.08.2021 14:41

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Nachtrag zum 1. Tag

Spät am Abend wurde ich Zeuge eines sehr merkwürdigen Rituals. Jemand, ich weiß nicht mehr wer, erzählte mir etwas davon, dass eine Frau in den Limbus gehen würde. Ich habe keinen blassen Schimmer was das ist und wie genau man da hingeht. Alles, was mir klar geworden ist, ist, dass es wohl eine wirklich gefährliche Angelegenheit ist. Ohne so recht zu verstehen, was eigentlich los war, wurde ich also zum Lager der Magier bugsiert, wo dieses Ritual unter strengem Schutz etlicher Ritualwächter abgehalten wurde. Der große, schwarz gekleidete Elf, Sethshir hieß er, und Ashra waren auch da und sagten, ich solle dicht bei ihnen bleiben, also tat ich das und rührte mich nicht mehr von der Stelle an die sie mich gestellt hatten. Ich spürte den Ernst der Lage, auch, wenn ich nicht wirklich begriff, was vor sich ging.
Die Zeit schleppte sich träge dahin, während ich fast vollkommen reglos dastand, um das Ritual nicht zu stören. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so lange angespannt still gestanden, wie an diesem Abend! Was genau passiert ist, weiß ich immer noch nicht, nur, dass am Ende eine Truhe aus dem Limbus gekommen ist. Was, bei allen Geistern des Waldes, ist dieser Limbus?!
Als das Ritual beendet war und ich in unser Lager zurückkehrte, war ich unheimlich müde. Ich weiß nicht einmal mehr, wie ich in mein Bett gekommen bin. Neue Welten sind wirklich aufregend!

#3 RE: Sommerlager zu Werbellin 27.7.-31.7.21 von Nscs Waldelfen 08.08.2021 20:05

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2. Tag (Mittwoch)


An diesem Morgen war ich sehr früh schon wieder auf den Beinen und genoss die morgendliche Ruhe, die noch über den Lagern lag. Das Ei ruhte nach wie vor auf dem Altar, doch ob es dem Leben darin gut ging oder nicht, konnte ich nicht sagen.
Als meine Gefährten nach und nach erwachten, beschlossen wir, dass das Ei mit samt dem Altar an einen anderen Standpunkt, außerhalb unseres Lagers gebracht werden sollte. Angeboten hat sich da die Nähe zu Prankes hübschem Feengarten.
Den Magiern ist der Umzug des Eis natürlich auch nicht verborgen geblieben und es kamen schon bald einige von ihnen an den neuen Platz. Sie fragten allerhand Dinge über das Ei und den Altar und ich war froh, dass Feanor anwesend war, um das Gespräch mit ihnen zu übernehmen, schließlich war es ja auch ihr eigener Altar, auf dem das Ei ruhte.
Anfangs habe ich dem Gespräch noch aufmerksam zugehört, doch dann fielen wieder so viele Begriffe und unnötige Umschreibungen von eigentlich simplen Dingen, dass meine Konzentration zusehends nachließ. Am Ende haben die Magier das Ei analysiert, um zu schauen, wie es ihm geht, und sind dann wieder abgezogen. Sie sagten irgendetwas davon, dass sie jetzt Unterricht hätten, genau interessiert hat mich das aber nicht, denn langweiliger Unterricht, bei dem man nur herumsitzen und zuhören darf, war noch nie etwas für mich.

Zurück im Lager der Blutdursts unterhielt ich mich eine Weile lang mit meinen Gefährten, allen voran mit unserem Koch Meister Bachus. Dieser Mann ist mitunter der schmutzigste Koch, der mir je über den Weg gelaufen ist! Außerdem hat er sich auch selbst ganz viele Titel gegeben, die ich beim besten Willen nicht mehr zusammenbekomme, aber ich glaube, dass alle irgendetwas mit Alkohol zu tun hatten.
Er hat zudem auch noch einen seltsamen Humor, denn er bestand darauf, dass ich einen Fisch am Gürtel tragen sollte, einen Fisch!
Er ließ so lange nicht locker, bis ich ihm den Gefallen getan habe, allerdings habe ich mir dann auch den schönsten Fisch mit goldenen Schuppen ausgesucht, schließlich wollte ich nicht, dass er mein Erscheinungsbild verdirbt. Nun ja, auf jeden Fall schien ich damit zur Kücheneinrichtung zu gehören, was den Vorteil hatte, dass ich ins Küchenzelt durfte, welches Meister Bachus streng bewachte. Außerdem wurde ich nun als sein „Küchenutensil“ auch gleich mit beschützt, wobei ich mir mittlerweile ziemlich sicher bin, dass er es auch ohne den Fisch an meinem Gürtel getan hätte.
Um ganz ehrlich zu sein, fand ich es aber auch gar nicht sooo schlimm, ihm den Gefallen mit dem Fisch zu tun, da damit für mich viele Annehmlichkeiten und Vorteile verbunden waren. Allerdings habe ich den Fisch immer unter meiner Schärpe versteckt, wenn ich bei wichtigen Angelegenheiten zugegen sein sollte. Ein Beispiel dafür waren die Treffen mit den Magiern.
Die beiden Elfen Sethshir und Ashra wussten allerdings von dem Fisch, denn sie haben scharfe, aufmerksame Augen, denen scheinbar gar nichts entgeht. Sie haben mich auch darauf angesprochen, warum ich mir einen Fisch anhängen lasse. Ich sagte ihnen, dass es ein Spiel mit dem Koch für mich sei und bat sie darum, es ihm nicht zu verraten.

Ein paar Mal versuchte ich auch näheren Kontakt mit Roxy und Feanor herzustellen, doch die eine schien mir recht unnahbar und launisch, während die andere irgendwie immer müde und desinteressiert wirkte. Irgendwann habe ich dann beide über den Tag aus den Augen verloren, ebenso wie Calias, der auch Teil unserer Gruppe war. Er hat mich sehr an einen stummen, in sich ruhenden Baum mit starkem Stamm und tiefen Wurzeln erinnert.
Oh und da war noch jemand, er nenn sich selbst Flummi, ich habe keine Ahnung warum. Ich mag ihn aber sehr gern, denn er kam mir sehr ruhig und weise vor und erinnerte mich an die alten Gelehrten meines Volkes. Seine stets ruhige, tiefe Stimme glich der des Windes, wenn er aus dem uralten Gebirge kommt und von den Klüften, Klippen und Berggipfeln berichtet. Ich liebe diesen Klang sehr.

An diesem Tag hatte ich auch zum ersten Mal einen sogenannten Ork gesehen. Der war wirklich groß, furchteinflößend und ähm... hässlich, trotzdem wollte ich so gern mit ihm sprechen, da ich ja gar nicht weiß, was Orks eigentlich sind, schließlich gibt es die bei uns in Ephemer nicht.
Meister Bachus und die anderen haben mich aber sofort weggebracht, sodass ich gar keine Gelegenheit für ein Gespräch hatte. Ich verstehe gar nicht, warum sie ihm gegenüber so abweisend und fast aggressiv waren. Der Ork und dessen Begleiter wollten doch nur, dass ich mal kurz mit ihnen in eine ruhige Ecke komme.

Etwas später dann erhielten wir, das Lager der Blutdursts, die Nachricht, dass uns gegen Mittag ein adeliger, kleiner Gast besuchen würde, Sir Arthur Carl der Winzige zu Königswusterhausen, war sein Name.
Als es soweit war, schlossen sich alle meine Gefährten zu einem feierlichen Zug zusammen, um das Baby, denn darum handelte es sich bei dem Adeligen, seinem Stand entsprechend, auch den anderen Lagerern vorzustellen. Ich war so aufgeregt, denn ich durfte direkt neben der Amme und dem Kleinen laufen!
Allen voran liefen Pranke und Tunix, wobei Tunix die wichtige Aufgabe hatte, den Kleinen immer wieder vorzustellen und die Aufmerksamkeit der anderen Lagerer zu bekommen. Glücklicherweise lief alles ohne Probleme ab und niemand kam auf die dumme Idee, das Kind anzugreifen.

Während Amme und Kind danach in unserem Lager verweilten, bekam ich am Rande mit, dass die Truhe aus dem Limbus geöffnet worden war. In der Truhe, befand sich ernsthaft eine weitere Truhe...
Die Truhe aus der Truhe wurde sofort von den Magiern in deren Lager gebracht, während die andere bei den Morettis blieb, weil die offenbar die Klanfarben hatte und die Morettis das toll fanden. Manchmal ist es besser, nicht darüber nachzudenken, was in den Köpfen mancher Menschen vorgeht.

Nach einer Weile wollte unser adeliger Gast dann auch wieder nach Hause zurückzukehren. Ungünstig war dabei nur, dass er nicht auf dem Wege, auf dem er gekommen war, zurückkehren konnte. Seit dem Fund des Eis verhinderte nämlich eine magische Barriere, dass der Ort verlassen werden konnte, wenn er einmal betreten worden war.
Gerüchten unter den Lagerern zufolge, soll das um ein Drachennest herum wohl immer so sein. Ich habe einiges über die Drachen gelesen, die Ephemer einst durchstreiften, dort aber nichts dergleichen erfahren, allerdings haben andere Welten vielleicht auch andere Drachen.
Auf jeden Fall mussten Sir Arthur Carl der Winzige und seine Amme schließlich durch ein Portal, welches die Magier erschaffen konnten, wieder abreisen. Wie viel Geld die Magier dafür berechnet haben, will ich gar nicht wissen.

Zurück im Lager hatte ich wieder nur wenige Momente Zeit, um die Erlebnisse zu verarbeiten, denn schon kam erneut jemand vom Lager der Magier zu mir und bat darum, ich möge rasch mitkommen.
Unterwegs erfuhr ich, dass sich in der Truhe aus der Truhe, welche mittlerweile ebenfalls geöffnet worden war, ein weiteres Drachenei befand. Unglücklicherweise wies die Schale dieses neuen Eis einige Risse auf und das Leben darin war viel schwächer, als das in dem blauen Ei. Es musste also sehr schnell gehandelt werden. Sehr schnelles Handeln ist bei den Magiern allerdings immer noch sehr langsam, denn wie zu erwarten gewesen war, mussten sie alles erst einmal genau analysieren, sich dann besprechen, das Besprochene verwerfen, sich noch einmal neu besprechen und dann überlegen.
Anschließend sollte das zweite Ei zusammen mit dem ersten von der Energie ernährt werden, die Feanors Altar abgab, dafür musste erst einmal Feanor überzeugt werden, dass sich die Magier ihrem Altar nähern durften, das war gar nicht so einfach. Am Ende kam dann heraus, dass der kleine Altar nicht ausreichen würde, um beide Eier am Leben zu erhalten, was wiederum eine Debatte unter den Magiern auslöste, die sich gefühlt ewig hinzog.
Schließlich hatte man dann endlich einen Plan. Ein neuer, größerer Energiekreis musste her, der gleich so angelegt werden sollte, dass eine beliebig große Anzahl von Eiern darin versorgt werden konnte, sollten noch mehr auftauchen. Wirklich schnell ging aber auch das nicht, denn zuerst einmal wurde über die Elementarsteine gestritten. Sollten es die fünf Elementarsteine von Pranke sein oder doch die vier Steine von Feanor? Diese Debatte hat mich beinahe wahnsinnig gemacht, denn ich weiß, wie schnell Leben vergehen kann, also wies ich die Magier schließlich darauf hin, dass sie sich doch bitte etwas mehr beeilen sollten. Tatsächlich taten sie das dann auch und es fiel die Entscheidung, Feanors Elementarsteine zu benutzen. Zusammen mit ihr bauten die Magier dann auch endlich den Energiekreis und ich konnte die Eier ins Zentrum legen.
Ich war sehr erleichtert, als bestätigt wurde, dass nun beide Eier mit ausreichend Energie versorgt wurden.
Zum Schutz des angebrochenen Eis, erklärte sich Großmeisterin Henriette bereit, sich darauf zu setzen. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es sich bei der Großmeisterin um ein Huhn handelt, welches wohl einst ein Mensch gewesen war. Ich habe gehört, sie opferte sich selbst, um eine ganze Welt zu retten, das ist so beeindruckend und damit hat sie meinen tiefsten Respekt verdient. Außerdem sieht sie als Huhn wirklich sehr niedlich aus.
Die Magier waren aber trotzdem noch nicht zufrieden und beschlossen, einen zweiten Kreis um den ersten herumzuziehen, diesmal einen Schutzkreis, der verhindern sollte, dass jemand die Eier stehlen konnte. Die drei Großmagier, Meister Weber, Meister Ginkelbach und Meister Rajan woben diesen Kreis, was ich wirklich spannend fand. Sie gestalteten den Schutzkreis so, dass nur sie und ich als Eierträger, überhaupt in den Kreis eintreten konnten.
Als dann alles erledigt war, schwirrte mir der Kopf und ich war froh, dass ich nun endlich zurück ins Lager gehen und mich ausruhen durfte.

Besonders lange wollte ich mich dann aber doch nicht ausruhen, denn die Vorbereitungen für ein anderes Ritual machten mich neugierig. Daran beteiligt waren der Wanderpriester Gustavo und meine beiden Gefährten Flummi und Calias.
So weit ich das zu diesem Zeitpunkt verstanden hatte, sollte es eine Art Schwertweihe werden. Warum Calias sein Schwert weihen lassen wollte und welchen Vorteil er davon hatte, habe ich nicht so recht verstanden. Mich hat viel mehr der künstlerische Aspekt der ganzen Zeremonie interessiert.
Als dann jemand mit geschickten Händen gesucht wurde, um etwas aus Stroh zu flechten und mit allerhand Blumen und Kräutern zu dekorieren, meldete ich mich voller Begeisterung. Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich zunächst nicht wusste, wie ein halbes Rad, welches aus dem Stroh geflochten werden sollte, aussieht. Ich habe in Airakre nie auf Räder geachtet und im Elfenwald haben wir keine, dementsprechend wusste ich zu Anfang nicht einmal, wie ein ganzes Rad aussieht. Letztendlich haben Calias und ich es aber doch hinbekommen, während Flummi zusammen mit Gustavo an einer Ansprache gearbeitet hat.

Als ich wieder zurück ins Lager kam, war plötzlich alles anders. Etwas stimmte mit unserem Koch so ganz und gar nicht, denn er war auf einmal viel zu nett und beinahe fanatisch auf Sauberkeit bedacht. Er entschuldigte sich dauernd für alles mögliche und wollte allen, alles abnehmen und selbst erledigen. Wie schon am Abend zuvor, habe ich ihm auch an diesem Abend wieder beim Kochen geholfen und bin dabei beinahe verrückt geworden, da er mir mit dieser freundlichen, zuvorkommenden Art und peniblen Sauberkeit gehörig auf die Nerven ging. Ich weiß gar nicht, wie er bei seinem permanenten Redeschwall überhaupt noch Luft bekommen hat. Wenn ich daran zurückdenke, fangen meine empfindlichen Ohren schon wieder an weh zu tun.
Ich verstehe auch nicht, warum die anderen ihn so lange in diesem Zustand gelassen haben, denn es war ja ganz offensichtlich, dass er verzaubert worden war, das hat er ja auch selbst immer wieder gesagt. Er sagte immer wieder:
„Sag Pranke von Meister Weber, ich bin verzaubert.“
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Pranke das sofort verstanden hat, es aber amüsant fand, unseren Smutje noch eine Weile verzaubert zu lassen. Bachus hingegen dachte, dass Meister Weber verzaubert worden wäre und man ihm dringend helfen müsste. Ich muss zugeben, anfangs fand ich es auch recht amüsant, doch nach einer Weile habe ich mir wirklich unseren schmutzigen, rauen Koch zurückgewünscht.
Irgendwann hat Bachus dann in seinem Küchenzelt eine kleine Puppe aus Ästen und einer Blüte als Kopf, sowie einem Haar von ihm selbst, gefunden und wollte sie nicht mehr hergeben. Da ich solche Puppen bereits im Elfenwald kennen gelernt habe, wusste ich, dass sie die Wurzel des Problems war. Die anderen kamen auch recht schnell drauf und endlich beschloss man, etwas gegen Bachus Verzauberung zu unternehmen.
Durch ein Ritual unserer Schamanin Feanor wurde der Zauber schließlich aufgehoben und Bachus war wieder ganz der Alte. Durch dieses Erlebnis habe ich gelernt, dass übermäßige Sauberkeit viel schlimmer sein kann, als ein bisschen Dreck auf Kleidung und Haut.

Nach dieser ganzen Aufregung um unseren Koch, fand danach, als es schon dunkel war, die Schwertweihe für Calias statt. Viele hatten sich als Zeugen versammelt, während Flummi einen Gott namens Boron anrief, um einen Segen für das Schwert zu erbitten. Zumindest glaube ich, dass es das Ziel der Predigt war. So genau kenne ich mich mit den Göttern der Menschen nicht aus.
Jedenfalls musste Calias vor dem Strohabbild des gebrochenen Rades knien und demütig schweigen.
Auch alle anderen Anwesenden, ließen sich auf dem Boden nieder und schwiegen andächtig. Ich glaube, dass die Weihe nur deshalb überhaupt von Erfolg gekrönt war, bin mir aber nicht sicher.
Dies war wieder eine Situation, in der mir völlig klar war, dass ich mich konzentrieren und still hocken bleiben musste, um den Erfolg für Calias nicht zu gefährden.
Ehrfürchtig harrte ich aus, bis signalisiert wurde, dass Calias Waffe nun einen Segen erhalten hatte. Das war nun schon der zweite Abend, an dem ich gelernt habe, dass es manchmal wirklich wichtig sein kann, Geduld zu haben.

Vorbei war der Abend für mich aber immer noch nicht, denn zurück von der Schwertweihe, fragte mich Pranke, ob ich nicht Lust hätte, zusammen mit ihm und Roxy zum Lager der Magier zu gehen. Roxy wirkte zu diesem Zeitpunkt sehr ängstlich und ich beschloss, dass es gut wäre, ihr meinen Beistand anzubieten. Außerdem interessierte es mich sehr, was die Magier mit ihr vorhatten. Zudem erhoffte ich mir, so vielleicht einen besseren Zugang zu ihr zu bekommen.
Im Lager der Magier angekommen überraschte mich die ernste, angespannte Stimmung dort. Es sollte doch nur um eine Untersuchung von Roxy gehen und nicht um den Kampf mit einem Dämon. Die allgemeine Stimmung ließ jedoch eher letzteres vermuten.
Roxys Untersuchung zog sich, wie alles, was ich bisher von den Magiern mitbekommen habe, ziemlich in die Länge.
Glücklicherweise traf ich dort Sethshir wieder, der mir mit spannenden Worten erklärte, was die Magier da eigentlich genau taten. Über das, was ich dort erfahren habe, schweige ich aber lieber, denn ich habe gelernt, besonnener und vorsichtiger mit Geheimnissen umzugehen.
Etwas anderes, was ich noch von Sethshir und Pranke erklärt bekommen habe, ist aber kein Geheimnis, nämlich das Ritualwachen noch viel länger dauern können, als diese Untersuchung von Roxy, und, dass in den meisten Fällen gar nichts dabei herauskommt.
Es gibt Dinge bei den Menschen, die werde ich wohl niemals verstehen. Ritualwache zu halten und dabei stundenlang sinnlos in der Gegend herumzustehen, gehört definitiv dazu!

Nachdem Pranke, Roxy und ich das Lager der Magier wieder verlassen und in unser eigenes zurückkehren durften, haben wir zusammen mit den anderen die weitere Vorgehensweise bezüglich Roxy besprochen. Darüber werde ich hier allerdings auch kein Wort verlieren.

Überraschend kam dann zu später Stunde noch die Mitteilung einer spontanen Hochzeit zwischen den Morettis und dem Eisenzahnklan. Ich war verwirrt darüber, nahm es aber letztendlich einfach hin, da ich beide Klans nicht wirklich gut kenne. Alles, was ich zu diesem Zeitpunkt wusste war, dass die Blutdursts mit den Morettis befreundet sind und der Ork, mit dem ich Freundschaft schließen wollte, dem doch eher sehr lauten und rüpelhaften Eisenzahnklan angehört. Wir haben uns dann trotzdem Gedanken über ein angemessenes Hochzeitsgeschenk gemacht, obwohl wir da noch nicht einmal genau wussten, wer denn aus diesem ganzen Haufen nun eigentlich heiratete.

#4 RE: Sommerlager zu Werbellin 27.7.-31.7.21 von Nscs Waldelfen 23.08.2021 16:56

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3. Tag (Donnerstag)


Dieser Morgen begann alles andere als ruhig...
Meister Bachus und ich waren die ersten im Lager, die schon auf den Beinen waren, als plötzlich Meister Weber mit einigen anderen Magiern, wahrscheinlich Schülern, zu uns kam. Sein Besuch war jedoch nicht freudiger Natur, sondern wurde eher von Wut begleitet, denn jemand hatte wohl in der Nacht oder den frühen Morgenstunden zwei Banner der Akademie gestohlen. Unglücklicherweise fanden sie eins dieser gestohlenen Banner in unserem Lager. Wie und wann es dort hin gekommen ist, konnten weder Bachus noch ich sagen, ja, es war uns ja nicht einmal aufgefallen!
Meister Weber war wirklich wütend und drohte uns damit, das freundschaftliche Verhältnis zwischen unseren Lagern aufzuheben, sollten wir unsere Unschuld nicht beweisen und den tatsächlichen Bannerdieb finden können.
Mir schlug das Herz bis zum Hals, denn mittlerweile wusste ich, wie wichtig die gute Beziehung zur Akademie für uns war. Meister Bachus schien ebenfalls nicht so recht zu wissen, wie wir jetzt mit der Situation umgehen sollten, denn Pranke schlief ja noch, ihn konnte man also auch nicht fragen.
Zum Glück dauerte es aber dann doch nicht mehr so lange, bis er aufwachte und wir ihm alles erzählen konnten. Ich war wirklich heilfroh, dass sich jetzt andere um diese heikle Situation kümmern würden, beschloss aber trotzdem, mich mit Bachus zusammen etwas umzuschauen.

Während wir das taten, tauchte unvermittelt die Hälfte einer Dracheneischale auf. Sie hatte dieselbe blaue Farbe, wie die des ersten gefundenen Eis.
Meister Rayan, der Magier mit den spitzen Ohren von dem ich nicht sicher bin, ob er ein Elf oder etwas ganz anderes ist, war ebenfalls zur Stelle und untersuchte die Eierschale. Am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass das Ei nicht durch Gewalteinwirkung von außen zerbrochen war, sondern, dass etwas von Innen herausgekommen sein musste.
Nach dieser Erkenntnis war die Aufregung natürlich groß, denn es bedeutete ja nichts anderes, als dass nun ein hungriges Drachenbaby zwischen den Lagern umherwanderte.
Einige Mitglieder des Eisenzahnklans waren ebenfalls zugegen, darunter auch ein Mann, der mich sehr fasziniert hat. Er wirkte rau und wild, aber Angst verspürte ich bei seinem Anblick nicht, obwohl ich sie vielleicht hätte haben sollen.
An ihm hatte mich vor allem die Tatsache fasziniert, dass er so gut riechen konnte, wie ein Wolf! Er konnte die Spur des geschlüpften Drachenbabys aufnehmen und verfolgen, das war so aufregend! Begeistert fragte ich ihn, ob ich ihn begleiten dürfte und er willigte ein!

Als ich ihm in das Lager des Eisenzahnklans folgte, wurde ich wirklich gastfreundlich empfangen. Das hatte ich, nach allem, was mir über diesen Klan berichtet worden war, gar nicht erwartet. Ich durfte sogar an ihrem Tisch sitzen und sie gaben mir zu essen und zu trinken!
Da sie so freundlich zu mir waren, nutze ich die Gelegenheit und befragte sie ein wenig, denn ich wollte wissen, ob die Gerüchte stimmten, dass sie Elfen die Ohren abschneiden und als Trophäen und den Hals tragen würden. Sie erklärten mir, dass sie das nur bei bösen Elfen tun würden und nicht einfach wahllos bei allen Elfen. Meine Ohren wollten sie nicht und sagten, ich wäre nun ein Gast des Klans und würde unter ihrem Schutz stehen. Ich fand das wirklich sehr nett von ihnen.

Etwas später durfte ich sogar mit ihren Jägern auf die Jagd gehen. Sie wollten ein Kaninchen erlegen, um das Drachenbaby anzulocken. Der M
nsch mit der guten Nase war auch dabei und hat mir erklärt, was bei einer Jagd wichtig ist. Ich glaube zwar nicht, dass ich selbst jemals Tiere jagen werde, aber es war dennoch interessant zu sehen, wie geschickt die Jäger waren.
Als wir uns dann, nach erfolgreicher Jagd, wieder auf den Rückweg machen wollten, tauchte plötzlich der Ork auf und alles geriet außer Kontrolle.
Der Ork war furchtbar wütend und griff seine eigenen Leute an! Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es ging bei dem Streit um eine Frau. Es hat mich schockiert zu sehen, dass der Ork einen seiner Leute wirklich so stark verletzt hat, dass die Wunde genäht werden musste. Meine Gefährten waren dann auch zur Stelle und haben mich zurück in unser Lager eskortiert. Brudor hat mir dabei zu erklären versucht, dass Orks eben doch keine netten Wesen sind und, dass ich da wirklich vorsichtig sein muss. Benommen von dem Erlebnis, ließ ich mich widerstandslos ins Lager bringen und erfuhr dann dort am Rande, dass wohl nicht nur die Banner der Akademie gestohlen worden waren, sondern auch das Schießeisen von Meister Bachus.
Was für ein verwirrender Tag, dabei war es noch nicht einmal Mittag!

Gegen Mittag tauchte dann eine Magierschülerin in unserem Lager auf und wollte mich sprechen, denn in einer Kiste, die sie in ihrem Zelt gefunden hatte, war ein weiteres Drachenei aufgetaucht. Sie bat mich um Hilfe, damit das Ei zu den anderen in den Kreis gelegt werden konnte.
Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen folgte ich ihr zum Lager der Akademie. Ich erinnerte mich noch ganz genau daran, wie wütend Meister Weber am Morgen gewesen war, und war mir daher ganz und gar nicht sicher, ob ich wirklich dort auftauchen sollte.
Generell haftete dem Lager der Magier immer etwas strenges, bedrückendes und sehr mächtiges an, das mir jedes Mal einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
Trotzdem bin ich der jungen Schülerin, die sich mir später als Ahkaisi vorstellte, gefolgt, denn es ging hier nicht um meine eigenen Befindlichkeiten, sondern um das Überleben eines weiteren Dracheneis.
Nachdem ich das Ei zum Energiekreis getragen hatte, wurden vorsorglich alle Eier von Ahkaisi analysiert, um herauszufinden, wie es um das Leben darin stand. Soweit sie das anschließend beurteilen konnte, ging es den Eier gut.
Nun lagen also schon drei Dracheneier in dem Schutzkreis. Arme Großmeisterin Henriette, sie wusste ja bald gar schon nicht mehr, auf welches Ei sie sich zuerst setzen sollte.

Den weiteren Verlauf des Bannerdiebstahls bekam ich übrigens nur noch am Rande mit, denn es waren einfach viel zu viele Eindrücke auf einmal für mich. Einmal war ich kurz dabei, als Feanor versucht hat, die Spur des Bannerdiebes zu erschnüffeln. Sie führte ins Lager des Eisenzahnklans, verlief sich dort aber dann völlig, sodass Feanors Nase überfordert zu sein schien, glaube ich.
Meine Aufmerksamkeit war aber auch nicht wirklich dort, sondern mehr bei den Eiern und dem Drachenbaby, welches ja noch immer vollkommen allein und vermutlich sehr hungrig durch die Gegend irrte. Schließlich entschied ich mich dafür, die Bannerdieb Suche den anderen zu überlassen und mich wieder mehr in der Nähe einzelner Magier aufzuhalten.
Am liebsten war mir dabei Meister Rayan, denn ich mag seine ruhige, manchmal etwas verplant wirkende Art, außerdem ist er weit weniger einschüchternd als Meister Weber oder Meister Ginkelbach. Auch Ahkaisis Nähe mag ich sehr gern, denn sie macht sich genauso große Sorgen um die Eier, besonders um das, was in ihrem Zelt gefunden worden ist, wie ich.
Natürlich habe ich auch zwischendurch immer wieder pflichtbewusst meine Aufgaben im Lager der Blutdursts erfüllt und versucht, für meine Gefährten so gut ich konnte, von Nutzen zu sein. Trotzdem zog es mich, genauso wie Ahkaisi, immer wieder zu den Eiern zurück.

Einmal habe ich ihr und Meister Rayan auch den Köder für das Drachenbaby gezeigt und Meister Rayan hat da irgendetwas noch zusätzlich mit Magie aufgeladen. So genau hab ich nicht verstanden, was er da gemacht hat, aber es sollte wohl ebenfalls Futter für das Baby sein. Als wir danach zu den Eiern zurückkehrten, überlegte Ahkaisi, ob man nicht mithilfe der Schale des geschlüpften Drachens, die des angebrochenen Eis reparieren könnte.
Ich habe ihr verraten, dass die Eierschalenhälfte in Prankes Besitz ist und hätte mir gleich darauf am liebsten selbst in den Hintern getreten, weil ich wieder zu vorschnell helfen wollte und nicht bedacht habe, dass Pranke die Schale vielleicht schon für etwas anderes vorgesehen hatte.
Zum Glück schien Pranke kein Problem damit zu haben, die Schale herzugeben, wodurch Ahkaisi schließlich damit beginnen konnte, die angebrochene Schale des Eis mit einem Zauber zu reparieren. Erstaunlicherweise funktionierte es sogar, doch als sie das Ei anschließend analysierte, konnte sie kein Leben mehr darin wahrnehmen...

Wir waren sehr traurig und bedrückt über den Tod des Eis und ich wusste nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte. Als man mir dann plötzlich sagte, ich solle mich ganz langsam herumdrehen, war ich noch immer ganz von der Trauer betäubt.
Erst, als mir ein intensives Kribbeln über den Rücken lief, tat ich, wie mir geheißen.
Als ich schließlich sah, was dort hinter mir auf dem Boden hockte, verschlug es mir den Atem. Es war das geschlüpfte Drachenbaby, nach dem wir den ganzen Vormittag über gesucht hatten! Langsam und ehrfürchtig hockte ich mich hin, denn ich wollte ihn auf gar keinen Fall verschrecken.
Als der Kleine mich anschaute und ich ihn schließlich zaghaft berühren durfte, überflutete mich ein riesiger Schwall an Gefühlen und Eindrücken und, noch bevor ich wirklich begreifen konnte, was mit mir geschah, knüpfte der kleine Drache auch schon ein festes, unsichtbares Band mit meinem Geist.
Das Gefühl war überwältigend! Ich spürte mit jeder Faser meines Körpers, dass der kleine Drache bei mir sein wollte, also nahm ich ihn auf den Arm, wo er es sich sofort bequem machte, und stand wieder auf.

Einige Umstehende, eigentlich angelockt durch eine zu diesem Zeitpunkt stattfindende Auktion, bemerkten das Drachenbaby ebenfalls und wollten es begrüßen und bewundern. Sie näherten sich zum Glück sehr vorsichtig und respektvoll, sodass dem Kleinen genug Zeit blieb, um zu entscheiden, was er tun wollte.
Er war recht neugierig und interessiert, ließ sich sogar kurz streichen, ehe es ihm dann doch zu viel wurde und er sich ängstlich an mich schmiegte.
Als er sich dann wieder etwas beruhigt hatte, fanden wir heraus, dass es sich von der gespeicherten Energie aus den Steinen ernährt, die die Magier mit sich herumtragen.
Nebenbei verpasst mir Meister Rayan übrigens den Beinamen „Drachenamme“.
Wunderbar, jetzt bin ich Eiträger und Drachenamme...
Wie soll ich das nur Cahir erklären?

Ich nahm das Drachenbaby mit ins Lager der Blutdursts, denn es erschien mir nicht richtig, es zu den Eiern in den Schutzkreis zu setzen, zumal es dort sicherlich nicht freiwillig so ganz allein hätte bleiben wollen. Außerdem wollte ich das auch Großmeisterin Henriette nicht zumuten.
Etwas später kam jemand vom Eisenzahnklan und brachte dem Drachenbaby ein Kaninchen als Geschenk mit. Es war der Mann, der von dem Ork verletzt worden war. Er freute sich wie ein kleines Kind, als der Drache das Kaninchen freudig annahm und mit Haut und Haar verschlang. Ich habe nicht alles verstanden, was der Mann gesagt hat, aber irgendwie scheint er zu glauben, dass er der Vater des Babys sein könnte. Er meinte auch, es hätte die Moretti Farben, also wäre es das perfekte Baby für seine Frau. Das hat mich irgendwie verwirrt.
Kann er ihr denn nicht ein eigenes Baby machen? Eins, dass keine Schuppen, Flügel und scharfe Zähnchen hat?
Wie dem auch sei, an diesem Nachmittag kam immer wieder Besuch für den kleinen Drachen.
Auch Ashra, die Elfe, die oft in Sethshirs Nähe zu finden ist und offenbar zu ihm gehört, beehrte uns mit ihrem Besuch und erklärte mir einige Dinge über Drachen, aber auch über Orks und andere Gefahren, die man nicht unterschätzen sollte.

Am Abend, als sich meine Gefährten alle im Lager versammelt hatten, um das Abendmahl einzunehmen, erfuhr ich, dass Bachus Schießeisen von Calias entwendet worden war.
Calias hatte es aus einem gut gemeinten Grund heraus genommen und versteckt, trotzdem wurde das nicht so gut aufgenommen, denn es war ja nach wie vor eine gewisse Art von Diebstahl. Aus diesem Grund stand nun wohl auch der Segen, den sein Schwert erhalten hatte, auf dem Spiel, denn Diebstahl war wohl nicht Boron gefällig, oder so ähnlich. Genau verstanden habe ich die Zusammenhänge nicht.
Auf jeden Fall musste Calias dann Buße tun, indem ihm zwei volle Tage absolutes Schweigen auferlegt wurden. Das fand ich wirklich hart, das hätte ich niemals geschafft.

Als ich mich schließlich spät in der Nacht schlafen legte, beschloss der kleine Drache, dass über die Hälfte meines Kissens nun ihm gehören sollte. Ich war zu müde, um ihm klar zu machen, dass das nicht geht, also sagte ich ihm:
„Nur für heute Nacht, weil du so niedlich und ich so müde bin.“

#5 RE: Sommerlager zu Werbellin 27.7.-31.7.21 von Nscs Waldelfen 15.09.2021 15:53

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4. Tag (Freitag)


Wie fast immer, war ich auch an diesem Morgen der erste, der auf den Beinen war, was nicht zuletzt daran lag, dass das Drachenbaby nicht mehr schlafen wollte.
Während ich so da saß und mein Frühstück genoss, gesellte sich irgendwann Ashra zu mir und erkundigte sich nach dem Befinden des Drachenbabys. Ich mag Ashra, sie ist so geheimnisvoll und weise. Wir saßen eine ganze Weile lang zusammen und sprachen über dies und das, bis ich endlich die Frage stellte, die mir schon die ganze Zeit durch den Kopf ging. Ich fragte sie ob sie wirklich eine Elfe sei, denn sie und Sethshir sind so ganz anders, als die Elfen, die ich kenne. Es war unheimlich schwierig, eine klare Antwort zu bekommen, doch ich gab nicht auf. Was am Ende dabei herausgekommen ist, werde ich hier nicht niederschreiben, denn manches bleibt besser so, wie es ist.

Im Verlauf des Gespräches mit Ashra, fanden wir heraus, dass der kleine Drache sehr an ihrem glitzernden Anhänger interessiert war und ihn unbedingt haben wollte. Ich werde das mit den glitzernden Dingen wohl im Auge behalten müssen, denn Ashra meinte, wenn ich nicht aufpasse, legt er sich einen großen Schatz an.
Ach so, was ebenfalls noch zu erwähnen wäre ist, dass sich der Kleine während des Gesprächs plötzlich einen Namen ausgesucht und mir diesen auf telepathischem Wege mitgeteilt hat. Er möchte gerne Saphir heißen.
Irgendwie überrascht mich das nicht, denn Veda hat diesen Namensvorschlag schon am Tag zuvor gemacht und Saphir war da schon interessiert, aber noch unentschlossen gewesen.

Heute lernte ich auch die Händlerin Coletta Bardesch kennen, die von sich selbst behauptet, eine sehr wichtige Person zu sein.
Ich weiß nicht genau, ob sie zum Haushalt der Blutdurst gehört, da ich sie dort vorher noch nie gesehen habe. Fest steht aber, dass sie auf irgendeine Art und Weise mit Cizz und Pranke zu tun hat, denn sie erklärte ganz stolz, dass es ihre Initialen seien, die das Banner der Blutdurst prägen. Ich habe mir das Banner daraufhin noch einmal genauer angeschaut und sie hat tatsächlich recht! Sie muss also wirklich eine sehr wichtige Person sein.
Ich weiß noch nicht so genau, ob sie mir irgendwann auf die Nerven gehen wird, denn sie redet viel, sehr viel, außer sie macht gerade eine gesetzlich vorgeschriebene Pause.

Während Coletta ihre gesetzlich vorgeschriebene Pause machte, bekam Saphir schon wieder Hunger. Ich fragte ihn, ob wir einen der Magier um etwas Magie für ihn bitten sollten, doch er wollte lieber ein Kaninchen. Da ich selbst nicht jagen kann, blieb mir nur eine Möglichkeit, ich musste ins Lager des Eisenzahnklans und dort nach einem Kaninchen für Saphir fragen. Trotz der offenbar stressigen Hochzeitsvorbereitungen, fand der Bräutigam die Zeit, mir ein Kaninchen für Saphir zu geben. Im Zuge dessen berichtete ich ihm, dass sich der Kleine für den Namen Saphir entschieden hatte, was den Mann sichtlich glücklich gemacht hat.
Coletta kam übrigens auch mit, weil sie Fragen bezüglich der Hochzeit und der Hochzeitsbräuche des Klans hatte. Sie hat über diverse Hochzeitsbräuche der Menschen gesprochen, die aber irgendwie nicht so gut ankamen.

Wieder zurück in unserem Lager, lernte Saphir die kleine Schildkröte Boris von Brudor kennen. Ich erklärte Saphir, dass er Boris auf gar keinen Fall fressen darf. Brudor war sehr misstrauisch, ob Saphir das auch wirklich verstanden hat, aber ich glaube, er hat es verstanden und wird Boris nicht fressen.
Boris wollte auch am Schildkrötenrennen teilnehmen, welches am Abend eigentlich stattfinden sollte, und Saphir wollte ihn dann dort anfeuern, aber leider kam es Aufgrund einiger ungeplanter Situationen nicht zum versprochenen Rennen.
Das war wirklich schade, ich hätte Boris gern rennen sehen.

Eine der ungeplanten Situationen war nach wie vor die Hochzeit, für die ich am Nachmittag ein Strohschiffchen mit Blumen dekorierte, damit wir es, gefüllt mit Geschenken, dem Brautpaar übergeben konnten.
Als ich damit fertig war, habe ich Coletta beim Handeln zugeschaut und muss zugeben, dass mich das doch sehr fasziniert hat. Sie schaffte es irgendwie, den Leuten alle möglichen Dinge anzudrehen. Bei manchen Sachen war ich nicht mal sicher, ob die Kunden das gewählte vorher auch wirklich gewollt hatten.

Zwischendurch lief ich auch mit Brudor, Boris und Saphir umher und durchquerte auch das Lager des Eisenzahnklans.
Der Ork war auch wieder da, doch schien er irgendwie Angst vor mir zu haben, als ich ihn immer wieder neugierig anstarrte. Ich weiß wirklich nicht, warum mich immer alle vor den Orks warnen, denn mir scheinen sie eher von feiger Natur zu sein. Später ist der Ork sogar vor Coletta weggelaufen...
Mein Fazit dazu: Orks sind gar nicht gefährlich und man muss sie nur lange genug anstarren oder ihnen Suppe anbieten, dann ergreifen sie die Flucht.

Oh, ja, außerdem habe ich gelernt, was ein Gurkentierchen ist und habe bei einem Gurkentierchen Schießwettbewerb zugeschaut. Wenn ich ehrlich bin, fand ich das schon ein wenig grausam, als auf das arme, halb betäubte und gefesselte Gurkentierchen geschossen wurde. Die sehen wirklich niedlich aus, auch wenn sie sich angeblich von Ästen auf ihre Opfer fallen lassen und sich dann in deren Nacken fressen, um sie zu töten. Die einzige Methode, um ein Gurkentierchen abzuwehren und zu betäuben, soll übrigens menschlicher Urin sein... Das ist wirklich widerlich. Kein Wunder, dass die so aggressiv sind, wenn sie dauernd angepinkelt werden, sobald sie auftauchen. Mir würde so etwas auch nicht gefallen.

Aber zurück, zu weniger widerlichen Dingen, denn ich habe einen Zwerg getroffen, einen echten Zwerg! Anders als ich, hatte Saphir nur Augen für die funkelnden Ringe an den Fingern des Zwerges, während er mit mir über Saphir zu verhandeln versuchte. Als ich erzählte, dass Saphir funkelnde Dinge sammelt, wollte er ihn aber dann doch nicht mehr erwerben, das würde sich nicht mit dem Gold und den Edelsteinen vertragen, sagte er mir.
Mir scheint, dass Zwerge ebenso an funkelnden Dingen interessiert sind, wie Drachen, und diese dann auch ebenso ungern wieder hergeben wollen, wenn sie sie einmal besitzen.

Nachdem ich später noch einmal nach den Eiern gesehen und Großmeisterin Henriette meinen Respekt bekundet hatte, folgte ich Meister Bachus zur Gilde der Brotbeutel, wo Tunix sich bereits nach den dort käuflichen Titeln erkundigte. Vielleicht wollte er der Gilde aber auch einfach nur das Trockenfleisch wegessen, während er so tat, als würde er danach einen Titel kaufen wollen.
Meister Bachus zeigte da schon mehr Interesse an der Liste an Titeln, den Geschäftsbedingungen, wobei er eine halbe Ewigkeit brauchte, um diese zu lesen, und der Preisliste. Ich las die Geschäftsbedingungen ebenfalls, die übrigens mit jedem Satz immer kleiner geschrieben worden waren. Vermutlich sollte das verhindern, dass man sie ganz bis zum Ende las. Meister Bachus las sie übrigens nicht bis zum Ende, erwarb letztendlich aber auch keinen Titel, was vielleicht auch ganz gut so war. Bei dieser Gilde habe ich gelernt, dass es immer wichtig ist, auch das Kleingedruckte in einem Vertrag zu lesen, wenn man nicht eine unangenehme Überraschung erleben will.

Am Abend fand dann endlich die Hochzeit statt, nur leider waren wir nicht eingeladen worden. Trotzdem wollten wir dem Brautpaar unsere Geschenke überreichen, denn das gehört sich unter Verbündeten und Freunden einfach so.
Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass sowohl Roxy, wie auch Feanor der Zutritt zur Feier verwehrt worden war. Noch ehe Pranke irgendwie reagieren und die Sache klären konnte, zogen Feanor und Roxy gekränkt von dannen. Brudor, ebenfalls aufgebracht durch die Behandlung der beiden, folgte ihnen kaum zwei Herzschläge später. Damit die Sache nicht vollkommen eskalierte, überreichte Pranke dennoch freundlich die Geschenke an das Brautpaar und ließ Brudor, Roxy und Feanor erst einmal ziehen. Es hätte ohnehin niemandem geholfen, hätten wir einen Aufstand gemacht und damit die Hochzeit verdorben. Klar war aber auch, dass der Ausschluss zweier unserer Gefährten nicht ohne Folgen bleiben würde.
Ich bekam das alles nur am Rande mit, da ich mich zu der Zeit im Gespräch mit der Braut befand, die Saphir bewunderte. Er ließ sich von ihr streicheln und zum Schluss sogar auf den Arm nehmen. Während dieser Zeit war ich sehr angespannt, da ich damit rechnete, ihn nicht wieder zurück zu bekommen, doch Veda gab ihn mir wieder und war einfach nur überglücklich, dass sie ihn für einen Moment hatte halten dürfen.
Anschließend zogen wir uns alle wieder in unser eigenes Lager zurück, denn es war natürlich klar, dass wir aufgrund der Vorkommnisse nicht an der Feier teilnehmen wollten.

Zurück im Lager herrschte eine aufgebrachte, aggressive Stimmung, die mir Angst machte.
Alle schienen mit der Situation überfordert zu sein. Es war kein schöner Abend.

#6 RE: Sommerlager zu Werbellin 27.7.-31.7.21 von Nscs Waldelfen 21.09.2021 15:32

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5. Tag (Samstag)



Was für eine unangenehme Nacht ich doch hatte...
Ich hatte einen seltsamen Traum, der sich so echt angefühlt hat, als wäre es ein Blick in die Zukunft gewesen. In dem Traum ging es um die Dracheneier und um Saphir. Alles war furchtbar traurig, denn die Dracheneier und auch mein kleiner Saphir wurden an die Drachenmutter Leviathari zurückgegeben. Im Traum habe ich auch an einem großen Ritual teilgenommen.
Der Traum hing mir noch lange nach dem wach werden nach, doch ich schien nicht der einzige mit einem solchen Traum gewesen zu sein, denn überall hörte ich, wie sich die Leute über seltsame Träume unterhielten.
Lange konnte ich aber nicht darüber nachdenken, denn Saphir forderte meine Aufmerksamkeit. Wie nicht anders von einem Baby zu erwarten gewesen war, hatte er wieder hunger und bettelte jeden vorbeikommenden Magier an.

Nach dem Frühstück kam auch die Magierschülerin Ahkaisi vorbei und bat mich darum, die Eier für sie aus dem Schutzkreis zu holen, damit sie sie noch einmal untersuchen konnte.
Natürlich ging ich mit ihr und tat ihr den Gefallen, denn auch ich sorgte mich nach wie vor um die Eier.
Während Ahkaisi die Eier eines nach dem anderen untersuchte, stellte sie zu unserem Schreck fest, dass die Eier alle sehr schwach waren, also zogen wir sofort die Großmeister zu Rate. Dabei stellte sich dann heraus, dass etwas bei dem Energiekreis schief gegangen war, denn anstatt die Eier mit Energie zu versorgen, versorgten die Energiesteine den Schutzkreis. Dieser Erkenntnis ging natürlich erst einmal viel Gerede zwischen den Magiern voraus, Gerede von dem ich nur einen Bruchteil überhaupt nachvollziehen konnte.
Glücklicherweise konnte das Problem dann relativ schnell gelöst werden, sodass die Eier wieder mit Energie versorgt wurden. Was für ein Schreck am frühen Morgen...

Die Sache mit den Träumen wurde immer seltsamer, denn wie ich bereits vermutet hatte, hatten viele andere einen ähnlichen Traum, sodass nun einige Magier herumzogen, nach den Träumen fragten und sich Notizen dazu machten. Vielleicht war es tatsächlich ein Blick in die Zukunft. Dieser Gedanke erfüllte mich mit Traurigkeit, denn wenn es so wäre, würde das bedeuten, dass ich mich von Saphir würde trennen müssen. Allein die Vorstellung schnürte mir schon die Kehle zu und ließ mein Herz schmerzen. Ich wollte mich nicht von Saphir trennen, doch ich wusste, dass ich es musste, wenn tatsächlich seine Mutter auftauchen würde.
Während all dieser düsteren Grübeleien, tauchte Bachus plötzlich auf und beichtete, er habe ein weiteres Drachenei in seinem Zelt. Es war ihm peinlich, denn er wusste schon lange davon und hatte es eigentlich zu Anfang für unser Lager als Mahlzeit zubereiten wollen, als er noch nicht gewusst hatte, was es war. Er hat sich dauernd dafür bei Pranke entschuldigt, während ich das Ei, welches zum Glück noch Leben beinhaltete, zu den anderen Eiern brachte.

Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als sich alle Lageranführer zu einem Gespräch trafen, welches überaus wichtig wirkte. Hin und wieder schnappte ich Gesprächsfetzen auf. Offenbar ging es um die Träume und darum, dass nun tatsächlich die Drachenmutter gerufen werden sollte!
Als sich die Runde auflöste, erfolgte gleich darauf schon wieder eine neue Gesprächsrunde, bei der nun jeder, der helfen wollte, teilnehmen durfte. Ich ließ mir das nicht zweimal sagen und gesellte mich zu den bereits Anwesenden. Saphir kam natürlich auch mit.
Während wir in Gespräche vertieft waren, fielen ihm glänzende Schlüssel am Gürtel einer gütigen Frau aus dem Hause Moretti auf. Er wollte unbedingt einen davon haben und ließ sich nur schwer zurückhalten. Letztendlich hat er so lange gebettelt, bis sie ihm einen Schlüssel schenkte. Saphir war mächtig stolz auf sein erstes glänzendes Schmuckstück und wollte es gar nicht wieder hergeben. Mit seinem neuen Schlüssel im Maul, störte er so wenigstens die Gespräche, die sich tatsächlich um das Rufen der Drachenmutter drehten, nicht mehr. Ich erfuhr einiges über mächtige Drachen, die alle für bestimmte Eigenschaften standen und auch, dass es ein Ritual geben sollte, für welches man je eine stellvertretende Person für jeden dieser großen Drachen brauchte. Mit diesem Ritual sollte die Drachenmutter gerufen werden, so zumindest hatte ich es verstanden. Die meisten Stellvertreter der wichtigen Drachen waren schnell gefunden, nur bei dem kupfernen Drachen gab es Probleme, denn niemand passte so recht zu dessen Eigenschaften. Irgendwann kam das Gespräch dann auf Cizz, denn einige meinten, dass die Eigenschaften des kupfernen Drachen sehr gut zu ihr passen würden, sie aber unglücklicherweise nicht da wäre. Ich weiß noch, dass es kurz darauf darum ging, dass es die Möglichkeit gäbe, sie zu rufen, wenn ich die Bommel benutzen würde, die sie mir dereinst schenkte. Pranke machte klar, dass die Bommel nur funktionieren würde, wenn ich genug Angst hätte.
Ich hatte vorher schon Angst, aber in diesem Moment wurde sie noch viel schlimmer, denn ich wusste, dass es einige in der Nähe gab, die mir sehr große Angst machen konnten, wenn es von Nöten gewesen wäre. In diesem Moment schickte ich diese Angst in die blaue Bommel an meinem Gürtel und hoffte auf das Beste. Ob es funktioniert hatte oder nicht, wusste ich nicht, denn die Bommel konnte nur übermitteln, aber nichts empfangen.
Aus diesem Grund wurde dann trotzdem erst einmal noch weiter überlegt, wer notfalls einigermaßen zum kupfernen Drachen passen würde, sollte Cizz nicht kommen.

Am Nachmittag half ich dann Pranke, Flummi und einigen anderen dabei, Material für den rituellen Strohkreis zu sammeln, während sich andere mit den anderen Aspekten des Rituals befassten, von denen ich nichts verstand.
Nachdem alles Nötige herangeschafft und vorbereitet worden war, gab es anschließend noch für jeden eine Hautbemalung für das Ritual. Mir war so gar nicht wohl bei der ganzen Sache und auch Saphir begann allmählich zu spüren, dass etwas anders war als sonst. Er wollte die ganze Zeit über nicht mehr von meinem Arm herunter und schmiegte sich eng an mich, während sein kleines Herzchen vor Angst raste.
Irgendwann gesellte sich Ashra zu uns und fragte, ob ich denn ein Abschiedsgeschenk für Saphir hätte, damit er sich immer an mich erinnern konnte, wenn er mit seiner Mutter fort ging. Mir kamen die Tränen, als sie mich das fragte, denn es unterstrich noch einmal die Tatsache, dass ich Saphir schon sehr bald würde loslassen müssen. Ich wusste erst nicht, was ich ihm schenken sollte, doch dann kam mir eine Idee. Ich schenkte ihm den Anhänger in Form einer Schwalbe, den ich für mein Gürtelbanner der Blutdurst hergestellt hatte. Ich hängte auch den Schlüssel, den er bekommen hatte, an das Lederband des Anhängers und band es ihm dann um den Hals, damit er beides nicht im Maul tragen musste.
Als ich gerade damit fertig war, tauchte plötzlich eine besorgte Cizz auf und erkundigte sich nach meinem Befinden. Ich war so froh sie zu sehen! Trotzdem konnte ihr Auftauchen den Schmerz der bevorstehenden Trennung nicht lindern.


Nur wenig später begann das Ritual und, während ich ein Ei nach dem anderen in den Strohkreis holte, versammelten sich die Mitglieder aller Lager auf der freien Fläche, um sich das Ritual anzuschauen, schließlich ging es hierbei um unser aller Schicksal.
Nachdem alle Eier im Kreis lagen, sollte auch Saphir dort hingesetzt werden, doch er wollte einfach nicht von meinem Arm herunter und alleine im Kreis sitzen, also stellte ich mich zusammen mit ihm zu den Eiern und hoffte, dass es dem Ritual keinen Abbruch tun würde.
Nach und nach nahmen auch alle Stellvertreter der großen Drachen ihre Plätze ein. Ich war zu traurig und zu ängstlich, um zu verstehen, was da genau ablief, daher kann ich die Einzelheiten dazu auch hier nicht niederschreiben.
Ich weiß aber noch, dass der Wanderpriester Gustavo das Ritual geleitet und sich daher auch im Kreis befunden hat. Während seiner Ansprache, hatte ich mich immer wieder ängstlich umgeschaut, bis dann plötzlich die Drachenmutter auftauchte und im Strohkreis landete!
Ich fiel sofort vor Ehrfurcht auf die Knie und senkte den Blick, denn Drachen sind für mein Volk hochintelligente Wesen, die verehrt und mit dem aller größten Respekt behandelt werden. Vor allem dann, wenn sie bereits ausgewachsen und viele hundert Jahre alt sind.

Zuerst nahm die Drachenmutter die Eier an sich, wobei sie das Ei, welches kein Leben mehr beinhaltete, liegen ließ. Anschließend kam es, wie es kommen musste, denn natürlich wollte sie auch Saphir mit sich nehmen.
Der Abschiedsschmerz war schier unerträglich, als sie ihn an sich nahm. Mein Herz fühlte sich an, als würde es mir bei lebendigem Leib aus dem Körper gerissen. Gefangen in diesem Schmerz, hörte ich schließlich, wie sich mich aufforderte, aufzustehen. Ich tat es und hob vorsichtig den Blick, um sie anzuschauen. Ich kann diesem Moment, in dem sich unsere Blicke trafen, nicht mit Worten beschreiben. Als sie mir dann auch noch Saphir zurückgab, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie sagte mir, er wollte bei mir bleiben, also würde sie ihm mir anvertrauen, doch sie sprach auch eine Warnung aus. Sollte es Saphir durch mein Verschulden schlecht gehen oder ich nicht gut genug auf ihn aufpassen, würde sie zurückkommen, zusammen mit dem Zorn einer Mutter, deren Vertrauen man für immer verloren hatte.
Ich wusste sofort, dass es keine leere Drohung war, denn Drachenmütter stoßen niemals leere Drohungen aus, wenn es um ihre Jungtiere geht. Zumindest ist das in Ephemer so, also werde ich mich davor hüten, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen.

Nachdem mich die Drachenmutter verlassen hatte, ging ich sofort aus dem Kreis und zu Cizz hinüber, um in Sicherheit zu sein, falls die ganze Sache doch noch eskalieren sollte.
Währenddessen schenkte die Drachenmutter eins der noch lebenden Eier Ahkaisi. Es war jenes Ei, zu dem die Magierschülerin schon eine Verbindung aufgebaut hatte. Die beiden anderen Eier nahm sie mit sich, als sie sich wieder zurückzog und davonflog.

Ich wollte schon erleichtert aufatmen und den Naturgeistern dafür danken, dass nichts schief gelaufen war, als es plötzlich zu Unruhen kam. Ein Streit um das zurückgelassene, tote Ei brach aus, warum genau, weiß ich gar nicht.
Saphir und ich wurden schnell von meinen Gefährten in Sicherheit gebracht, keine Sekunde zu früh, denn kaum hatte ich unser Lager erreicht, eskalierte die Situation am Strohkreis vollkommen.
Ich wurde Zeuge eines wahren Gemetzels zwischen den Klans. Alle gingen aufeinander los und nicht wenige von ihnen wurden schwer verletzt. Auch die meisten meiner Gefährten kämpften und wurden verletzt. Wie es zu einer solch heftigen Eskalation kommen konnte, ist mir immer noch schleierhaft.

So heftig die Kämpfe waren und so plötzlich sie begonnen hatten, so schnell waren sie auch wieder vorbei. Etliche Verletzte lagen am Boden, wurden von den wenigen Heilern versorgt oder bereits in die jeweiligen Lager abtransportiert, als ich mich auch vorsichtig auf das Schlachtfeld wagte, um zu schauen, wen es von meinen Gefährten erwischt hatte. Glücklicherweise kam niemand ums Leben, trotzdem war es ein Anblick, den ich mir so schnell nicht wieder wünsche.

Nun gut, die Schlacht war vorbei, der Bannkreis, der und eingesperrt hatte, verschwunden und alles schien doch noch gut zu werden, als plötzlich Ahkaisi völlig aufgelöst in unser Lager kam und mich sprechen wollte. Sie bat mich verzweifelt um Hilfe, denn Meister Ginkelbach wollte ihr das Drachenei wieder wegnehmen. Er war der Meinung, dass alle Drachen böse und gefährlich wären und er gab ihr nur eine Stunde Zeit, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Eigentlich war es nicht einmal eine Stunde, da sie in dieser einen zugestandenen Stunde auch noch Unterricht hatte, den sie nicht versäumen durfte. Er hatte ihr also quasi eine unmöglich zu schaffende Aufgabe gestellt. Ahkaisi war den Tränen nahe, also half ich ihr natürlich sofort dabei Pranke zu finden, denn kurz zuvor hatte dieser mir angeboten, mir bei der Erziehung von Saphir zu helfen, da er selbst viel Erfahrung mit Drachen hätte.
Wir fanden die beiden recht schnell, doch konnten sie uns nicht sofort begleiten, deshalb ging ich mit Saphir und Ahkaisi zunächst allein ins Lager der Magier, um für die Drachen zu sprechen.
Saphir fand es dort überaus spannend und wollte kaum still sitzen, als Ahkaisi anhand seiner Entwicklung analysieren sollte, wie weit ihr Drachenei bereits entwickelt war und wann es schlüpfen würde. Als sie damit fertig war und wir immer noch auf Cizz und Pranke warten mussten, unterhielt sich Saphir mit Zora, die man nicht sehen konnte, die aber offenbar den Schutzkreis um das Lager der Magier herum aufrecht hielt. Durch Saphir erfuhr ich, dass sie wohl eine Art Energiewesen ist, welches in einem der Kristalle, die dort in einem Schrein platziert worden waren, wohnt.
Saphir unterhielt sich eine ganze Weile lang mit Zora und erzählte ihr so dies und das. Auch Zora schien reges Interesse an Saphir zu haben. Saphir ließ mich immer wieder an der Unterhaltung teilhaben und ich kam nicht um den Gedanken herum, dass die beiden wie kleine Kinder wirkten, die dabei waren, sich anzufreunden.
Als schließlich Cizz und Pranke kamen, musste sich Saphir von Zora verabschieden, denn nun stand ein Gespräch mit den Großmagiern an.
Cizz und Pranke versuchten Meister Ginkelbach klar zu machen, wie es sich mit den Drachen verhält und welche Bedürfnisse sie haben, denn er selbst hatte die Idee, Ahkaisis Drachen in einen Kerker zu sperren. Einen Kerker, ohne Tageslicht, ist das zu fassen?!
Auch die Tatsache, dass er Ahkaisi erlauben würde, den Kerker nach ihren Wünschen gemütlich einzurichten, machte die ganze Sache nicht besser. Meister Ginkelbach war nicht von seiner Meinung, alle Drachen seien gefährliche Bestien, abzubringen, also schilderte ich ihm meine Erfahrungen mit Saphir. Saphir hatte bisher kein aggressives Verhalten gezeigt. Wir versuchten auch zu erklären, dass es eine feste mentale Verbindung zwischen einem Drachen und der Person, die er sich ausgesucht hat, gibt und man sein Verhalten dadurch gut lenken und verstehen kann. Meister Ginkelbach war zwar immer noch nicht wirklich überzeugt, dennoch erlaubte er es Ahkaisi vorerst, das Ei zu behalten. Sie bekam jedoch die Auflage, sich von Pranke und Cizz beibringen zu lassen, wie man mit Drachen umzugehen hat, damit sie nicht zu einer Gefahr werden.

Übrigens sahen Cizz und Pranke atemberaubend aus! Cizz ist ja zuvor schon in einem umwerfend schönen, edlen Kleid aufgetaucht, doch mittlerweile trug auch Pranke edle Stoffe! Pranke, der Nordmann! Na gut, er hatte keine Schuhe an, aber ansonsten war er kaum wiederzuerkennen. Ich glaube, es gibt da eine ganze Menge, was ich nicht über die Blutdurst weiß, obwohl sie meine direkten Nachbarn sind. Vielleicht sollte ich doch noch einmal heimlich über die Mauer klettern und mich auf dem Anwesen umsehen... Wer weiß, was sie alles in dem Stallgebäude untergebracht haben. Ich habe ja dort bisher nicht reinschauen dürfen.

Sethshir bot mir übrigens auch an, dass ich mit Saphir jederzeit in der Akademie der Magier willkommen wäre, da ja nun Ahkaisi Saphirs Geschwisterchen ausbrüten darf und sich die beiden Drachenbabys bestimmt kennen lernen wollen. Außerdem ist es sicher auch für Drachenkinder wichtig, wenn sie hin und wieder mit gleichaltrigen spielen können.
Oh, ach ja, Saphir hatte auch kurz darauf am Abend sein erstes eigenes Beutetier gefangen. Was es einmal gewesen war, konnte ich nicht mehr herausfinden, da er nur einen kleinen Fetzen Fell davon übrig gelassen hatte.

Rückblickende betrachtet, bin ich sehr erleichtert, dass dieses Abenteuer so glimpflich ausgegangen ist, auch wenn ich jetzt meinem Vormund Sir Auberon de Lavira erklären muss, woher auf einmal dieser Drache an meiner Seite kommt.
Aber immerhin kann ich ihm stolz mitteilen, dass ich sehr viel gelernt habe, ganz so, wie er es gewollt hat. Schließlich sollte ich ja auf Reisen gehen, um zu lernen und meine Bestimmung im Leben zu finden, da ist es wohl kaum meine Schuld, dass ich jetzt einen kleinen Drachen habe.
Ich hoffe, Sir Auberon lässt mich noch auf viele weitere Reisen gehen, natürlich immer unter dem Schutz der Blutdursts. Auch, wenn er immer noch ein Geheimnis daraus macht und denkt, ich wüsste nichts davon, ist schon seit längerem klar, dass er sie darum gebeten hat, auf mich aufzupassen, ich bin ja schließlich weder blind, noch blöd.

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